Montag 10. Oktober, 2016

Exo.Erdbeeren

Ich war nach der Arbeit noch bei einem "Kollegen" zu Besuch gewesen und kam daher etwas später als sonst spät nachhause. Als ich den Wagen vor der Garage hielt, wartete Felix der Streunerkater am Carport; eben da, wo er immer auf seinen Dosenöffner wartet. Nachdem ich das Garagentor geschlossen hatte, lief er vor mir die Treppen zur Haustür hoch, hüpfte auf das Mäuerchen und wartete bis ich in kopfhöhe neben im war, um seinen Schädel gegen meinen zu stupsen. Danach folgte ich meinem Amt – 1. Futterspender von Felix – und sah zu wie er fraß. Mein amtlicher Arbeitsplatz ist in den Wintermonaten vor meinem Badezimmerfenster.
Im Badezimmer war das Licht an. Das konnte nur bedeuten...
Ich kann sehr schnell aus meinen Stiefel "schlüpfen" und die Haustüre öffnen; ich kann das Ganze auch sehr leise machen, da es hierfür unnötig ist unnötige Geräusche zu produzieren. Die Welt ist eh mit unnötigen Geräuschen verseucht – wie zum Beispiel heidiges Klumpiepsen oder Johny Däpp Refrains – da muss ich nicht auch unnötig Geräusche machen, wenn ich meine Stiefel ausziehe um die Wohnung zu betreten. Da aber im Badezimmer Licht "brannte", war ich auffällig laut. Es sollte einer gewissen ungeborenen Tochter die Möglichkeit geben, elektrisch produziertes Licht, das unnötig einen Raum erhellt, in dem sich niemand aufhält, über eine geniale Erfindung, die sich Lichtschalter nennt, zu löschen. Schließlich hatten wir erst vor ein paar Wochen eine Diskussion geführt, warum man "Licht nicht unnötig brennen lässt".
Tatsächlich war das Licht "aus" als ich das Bad betrat, um, wie ich es immer mache wenn ich nachhause komme, meine Hände und mein Gesicht zu waschen. Da hat jemand gelernt, dachte ich mir – auch wenn dieser jemand erst durch laute Geräusche an das Gelernte erinnert werden muss. Ein Anfang ist besser als kein Ende.
  Ja, ich will auch Bohnen, ließ mich jemand aus dem Wohnzimmer wissen.
   In welcher Sprache ist denn das, fragte ich zurück?
   Na Deuts... tschulligung. Hallo Herr Vater, wie war dein Tag? Ja, ich möchte auch Bohnen; sagte Edith.
   Hallo Edith. Danke. Du wolltest doch nicht mehr tschull…. Na egal. Komisch, ich dachte vorhin wirklich ich hätte Licht im Bad gesehen als ich Felix fütterte, dachte ich laut, als ich in die Küche ging um die bestellten Bohnen zu kochen.
   Na … kann vielleicht sein dass ich da gerade im Bad war. Ich erinnere mich nicht.
   Du erinnerst dich nicht ob du im Bad gewesen bist, wollte ich wissen?
   Ja weistdu, sorry, weißt du, ich bin gerade etwas sehr beschäftigt mit nachdenken. Da kann man sich schon mal nicht erinnern.
   Dann denk mal weiter nach, bis ich mit dem Kochen fertig bin und erzähl mir nachher was dich vom Erinnern abhält.
Beim Essen erzählte sie mir, sie habe vorhin gehört wie wir über Exoplaneten gesprochen hätten. Die Möglichkeit dass es noch andere Planeten gäbe, sei toll, weil ja hier so langsam alles den Bach herunter ginge. Kriege und all das verseuchte Essen.
   Verseuchtes Essen, hakte ich nach?
   Ja, du kaufst doch immer Biozeugs weil …
   Ja aber nicht weil Essen verseucht ist …
   Schon gut, nicht so wichtig! Eben nicht so gutes Essen. Und die Kriege. Jetzt stell dir vor, da gibt es noch so 'n Planeten und dort gibt's keine Kriege weil keine Menschen. Und dort gibt es tolles Essen, alles Bio! Lass uns dahin gehen!
   Mal abgesehen davon, dass wir da nicht so schnell hinkönnten, wenn es diesen Planeten gibt. Wieso soll es da keine Menschen geben, wenn es da Essen gibt; warf ich ein.
   Du weißt schon was ich meine. Du hast selbst gesagt, dass auch wenn es Planeten mit Leben gibt, die Wahrscheinlichkeit dass es dort so was wie Menschen gibt, sehr gering ist. Toll! Ich will da hin. Und du müsstest nicht immer Biozeugs kaufen. Äpfel, Erdbeeren, Melonen, Avocado, Brot …
   Also, wenn es einen Planeten gibt, der unserer Erde ähnlich ist, und nehmen wir an, da gibt es wirklich keine Menschen oder menschenähnliche Wesen, nur Natur, du müsstest dann da schon andere Sachen essen als Äpfel, Erdbeeren, Melonen … Brot; klärte ich sie auf.
   Gibt’s da keine Erdbeeren, fragte sie entsetzt? Dann können wir ja gar nicht hin, weil du gesagt hast, in einer Welt in der es keine Erdbeeren gibt willst du nicht ...
   Doch, warum nicht. Wenn es da Tiere gibt und Insekten … wird es da schon Erdbeeren geben; beruhigte ich sie.
   Und warum können wir dann keine essen?!
   Na essen schon, aber es wären eben keine Erdbeeren, so wie du und ich sie kennen.
   Ja wie jetzt! Es gibt Erdbeeren aber keine Erdbeeren?! Herr Vater! Ich hab eh schon die volle Beschäftigung mit Nachdenken und jetzt …
   Und keine Äpfel und keine Melonen und schon gar kein Brot.

Ich erklärte ihr, dass unsere geliebten Früchte und eigentlich fast alle sonstige Nahrung, die wir gewohnt sind, Züchtungen und Erfindungen des Menschen sind. Saftige Äpfel, pralle Erdbeeren, riesige Melonen, duftendes Brot, Schokolade. Das alles und noch viel mehr, gebe es nicht, wenn es keine Menschen gäbe. Selbst Felix wäre nicht. Berta, die Kuh auch nicht.

   Subbr! Und was essen wir dann auf dem neuen Planeten?
   Na eben was die Menschen aßen, bevor sie anfingen zu züchten. Der Mensch hat ja nicht die Natur erfunden, sagte ich.
   Und was aßen die damals?
   Andere Früchte, Beeren und später dann hauptsächlich andere Tiere.
   NEIN. Wir bleiben hier, rief sie laut!
   Ach, nur weil es keine Erdbeeren wie du sie kennst auf dem neuen Planeten gibt, willst du hierbleiben, fragte ich?
   NEIN. Ich will nicht hauptsächliche Tiere essen. Ich will gar keine Tiere essen!
   Dann lass uns doch einfach hierbleiben und Bohnen essen, sagte ich lächelnd. Vielleicht hören die Menschen ja auch bald auf Kriege zu machen.
   Ja, so schlimm ist es ja dann nicht mehr hier. Ich mag Erdbeeren!, ließ sie mich wissen.
   Ich auch, sagte ich.
Freitag 05. Dezember, 2014

Bakterien.seifig

Ich machte es mir gerade auf meiner Couch gemütlich, als ich die Badtür auf und zu gehen höre. Da ich auf der Couch lag, konnte nicht ich es sein, der die Tür hantierte; und da kommt nur noch ...
  ¿Sind das Socken, höre ich die Stimme rufen die ich erwartet habe.
  Nein, Asteroiden; rufe ich zurück.
  Du wäscht Asteroiden?!
  ... nein.
  Du weißt genau was ich meine, Herr Vater!, sagt Edith während sie sich auf die andere Couch wirft.
  Klar weiß ich das, aber du fragtest mal wieder so als würde jeder deine Gedanken lesen können, und da hier gerade eine Doku über Aste...
  Ja ja, schon verstanden! Sind das jetzt Socken in der Waschmaschine?!
  Ja. Heute ist Sockenwaschtag, sage nur ich ruhig.
  ¿Und warum wäscht du die bei 30°, will sie wissen.
  Das ist völlig ausreichend, antworte ich immer noch ruhig während ich versuche, ihr Interesse am Sockenwaschen zu ergründen.
Socken sind Unterwäsche, und die muss man kochen; weiß sie.
  Ich koch doch keine Wäsche, sag ich, das ist ja wie Asteroiden waschen.
Sie erzählt mir, man müsse Wäsche kochen wegen den Bakterien. Das habe sie so in der Werbung gelernt.
Nachdem ich uns zwei heiße Kakao gekocht habe frage ich sie, ob sie ihre Hände unter kochendem Wasser wasche? Zwar ist es richtig dass Bakterien bei hohen Temperaturen abgetötet werden, aber Wäsche wäscht man ja nicht nur mit Wasser. Die Waschmittel - Waschlaugen - heutzutage sind eigentlich alle durch die Bank fähig auch bei niedrigen Temperaturen Bakterien abzutöten.
Natürlich ist das der Waschmaschinen herstellenden Industrie ein Dorn im Auge. Denn wenn jeder seine Wäsche nur bis 30° C wüsche, gäbe es fast keine defekten Waschmaschinen. Zumindest würde keine Maschine an Verkalkung "sterben" - oder erst nach Jahrzehnten andauernden Betriebs. Kalk - eigentlich Calciumcarbonat - löst sich nämlich erst ab ca. 40° C soweit ab dass eine Verkalkung der Maschine möglich ist. Die Wasserhärte spielt dabei keine Rolle; auch aus hartem Wasser kann man kein Kalk schütteln. Also geht es in Ordnung wenn manN seine Socken mit 30° C Waschgang wäscht.
  Und Handtücher, fragt sie während sie nach meiner Tasse schielt weil ihre leer ist.
  Auch Handtücher, sag ich und trink schnell leer.
  Ab... ich ... man!
Keine Sorge, ich hab noch Milch da; lach ich, aber die kochen wir heiß, ohne Bakterienwaschmittel. Weil's schmeckt!
  Jo, sagt sie, so wie ich es auch mache.
Dienstag 15. November, 2011

Handtücher

Es ist Sonntagabend und ich mache es mir gerade auf der Couch gemütlich, weil ich mir einbilde es verdient zu haben, nachdem ich weitere 11 Seiten an dem ewig unvollendetem Werk – mit Ach und Krach - geschrieben habe. Ein Glas Pepsi-Light krönt die Gemütlichkeit, weil ich von Wein in Abwesenheit von Gesellschaft nichts halte und Tee bedeuten würde jetzt noch in der Küche zu … arbeiten. Man muss auch das Einfache genießen können.
Mit dem Genießen der Gemütlichkeit ist es eine sonderbare Angelegenheit. Kaum hat man sich dazu entschlossen und die Initiative ergriffen – Telefon lautlos, Glas Pepsi-Light, Couch, TV-Fernbedienung -, wird man gestört. Ich versuchte vergeblich zu ignorieren das Badewasser laufen zu hören. Allein die Tatsache, dass die Badewanne wirklich befüllt wurde, ließ mich eines besseren belehren: Ignoranz, hält Tatsachen nicht auf. Edith, meine ungeborene Tochter, lässt sich ein Bad ein. Blieb mir nur noch die Hoffnung; sie würde mich ignorieren.
Während ich nach einem geeigneten TV-Programm zu meinem Glas Pepsi-Light suche, höre ich, wie sich das ungeborene Kind im Schlafzimmer am Wäscheschrank zu schaffen macht. Handtücher.

  Es ist nicht da!, schreit sie die vermeintliche Gemütlichkeit weg.
  Was ist nicht da?!, schreie ich zurück, obwohl ich wusste was nicht da war.
  Das Rote mit den gelben Sonnenblumen ... es ist nicht da!
  In der Wäsche!
  ... in der Wäsche ... nicht gewaschen! Dann ist es ja dreckig?!, kombiniert sie laut.
  So kann man das sagen, ja, antworte ich ebenso laut.

Wenn das mal gut geht, denke ich mir, denn seit Minuten höre ich nichts weiter als ... nichts. Man konnte ahnen, dass sie badete. Ich bezweifele aber von einen Nachspiel verschont zu bleiben.
Minuten später hockt sie auf der Couch gegenüber mit einem Tee, den ich mir zu machen faul war.
  Warum muss man Handtücher eigentlich waschen?
  ... Weil Handtücher eben ab und zu wie jede Wäsche gewaschen werden sollten, sage ich trocken und ahne Schlimmes.
  Aber Handtücher benutzt man doch wenn man sich sauber gemacht hat, ... die werden doch nur nass und nicht dreckig, sagt sie.
  Ja. Da hast du wohl recht. Ab heute können wir ja darauf verzichten die Handtücher zu waschen. Wir werden jeweils ein Handtuch benutzen, bis es auseinander fällt und dann nehmen wir das nächste aus dem Schrank. Ich denke wir kommen mit einem Handtuch pro Jahr ...
  Sehr witzig Herr Vater, sehr sehr witzig!
  Warum, du sagtest doch Handtücher werden nicht dreckig, gebe ich trocken zurück.
  Werden sie auch nicht! Ich komme ja nicht dreckig aus der Badewanne ... außerdem ist das kein Handtuch, sondern ein Badetuch ... obwohl man ja nicht damit badet.
  Sehr witzig liebe Tochter, sehr sehr witzig. Kommt jetzt wieder die Geschichte mit den Kopfschmerztabletten?
  Nein. Aber ehrlich. So ein Handtuch muss doch nicht gewaschen werden, wenn man sauber ist?
  Ich mach mir jetzt auch einen Tee und dann erklä...
  Du musst dir keinen machen, deiner steht auf dem Küchentisch, Fauli!

Ich erkläre ihr, dass man zwar sauber ist nach dem Baden oder Duschen – na ja, die Meisten sind das wirklich -, aber beim Abtrocknen trotzdem Hautschuppen, Fett und Vielleicht auch Seifenreste von der Haut abgetragen werden. Das gepaart mit der Feuchtigkeit und der Wärme, ist ein wahres Paradies für bestimmte Bakterien. Nach einer Weile ist das ... Badetuch voll davon. Man könne das schön sehen, wenn man ein blütenweißes Badetuch benutzt. Nach ein paar Stunden, ist es nicht mehr blütenweiß.
Wir einigen uns darauf, dass Handtücher bei uns nur noch Abtrocker genannt und jetzt noch öfter in die Wäsche kommen als es schon passiert. Die anderen Abtrocker sind nämlich auch schön.

  Schmeckt der Tee, fragt sie.
  Sehr gut, danke!
  Mit Honig, sagt sie.
  Ich liebe Honig ...
  Ich auch ...
Sonntag 11. Juli, 2010

Sunscreen

Wenn es ein bisschen heißer wird, verbrennen wir uns!

Ich liege am See und freue mich darüber, dass ich alleine bin. Das ist erstaunlich, denn ein paar hundert Meter weiter tummeln sich hunderte Menschen an einem See, der sich mit diesem weder an Schönheit noch noch Größe messen kann.
  Wear sunscreen. If I could offer you only one tip for the future, sunscreen would be it… – höre ich die Ruhe, durch die Stimme meiner ungeborenen Tochter Edith, zerreißen.
  The long term benefits of sunscreen have been proved by scientists … – vervollständige ich und sage –, ich wusste gar nicht, dass du das kennst!
  Ich hab’s auf deinem Handy gefunden … und auswendig gelernt.
  Sagte ich nicht, dass mein Mobiltelefon ein Tabu ist! – versuche ich ernst mit noch immer geschlossenen Augen zu klingen.
  Nein, Herr Vater. Das sagtest du nicht… – gibt sie schnippisch zurück – … und wenn es ein bisschen heißer wird, verbrennen wir uns!
  … … – gebe ich zurück und hoffe dass sie verschwindet.
  Wie viel Hitze kann ein Mensch aushalten? Du weißt doch immer alles, Herr Vater… saaaaag.
  Eine Milliarde Grad Celsius! – antworte ich darüber verärgert dass sie immer noch da ist.
  Ha ha … Herr Vater macht Witze! Herr Vater macht, schlechte Witze!
  NEIN, Herr Vater macht keine Witze und schon gar keine schlechten Witze! – sage ich und hocke mich hin.
  Eine Milliarde Grad Celsius … da würden wir doch verdampfen???!!! – will sie es besser wissen.
  Nein, würden wir nicht … wir würden frieren!!! – lächle ich.
  Du bist doch …. was soll denn das jetzt?! Hast du einen Sonnenstich Herr Vater?!
  Das ist mein ernst, du Handyspionin!

Tatsächlich ist es so, dass Hitze nicht gleich Hitze ist. Heißt, die Grad-Zahl sagt nichts über die Dichte der Masse auf, in der sie auftritt. Das ist auch der Grund warum wir 80° Celsius aus einem Föhn ertragen können, uns aber bei 80° Celsius im Wasser verbrühen würden. Hätte also die Erde eine geringere Dichte in der Atmosphäre – zum Beispiel wie auf Uranus -, würden wir bei einer Million Grad Celsius eher frieren als uns verbrennen. Natürlich dürfte man dann auch nicht die Tatsache vergessen, dass wir ein paar Sekunden später – nachdem wir gefroren haben -, aufgehen wie ein Hefeteig und platzen wie ein Frosch, dem man eine Zigarette in den Mund gestopft hat. Es ist also alles relativ – lieber schwitzen als platzen.

  … und es ist trotzdem heiß! – sagt sie als ich ihr das erklärt habe.
  Ja, darum werden wir jetzt auch ins Wasser springen, du Quälgeist …
  … I will dispense this advice now. Enjoy the power and beauty of YOUR YOUTH… – schreit sie als sie ins Wasser werfe.

Montag 24. Mai, 2010

Null

  Wenn ich dir null Äpfel gebe, wie viele Äpfel hast du dann???

 

Es ist ja nicht so, dass man einfach vor sich hin lebt. Täglich. Woche für Woche, Jahr für Jahr. Man erlebt, lernt daraus und lebt weiter. Und dazwischen gibt es Sonntage, voll Sonne, schönem Essen und Edith – meine ungeborene Tochter.

  Null ist komisch – lässt Edith mich plötzlich wissen

Den ganzen Tag war sie nur einfach wortlos dabei. Sie sprach nicht, genoss den Tag und lachte sogar als wir mit dem Boot fuhren. Jetzt, als wir nach Hause fahren, sitzt sie auf dem Rücksitz und lässt mich wissen, dass 0 komisch ist.

  Null ist nicht komischer als irgendeine Zahl – gebe ich zurück.

  Doch! Null ist sogar sehr komisch! Wenn ich dir null Äpfel gebe, wie viele hast du dann?!

  Keine, weil du mir keinen Apfel gegeben hast....

  Und warum sagt man dann ÄPFEL???, wenn ich dir keinen gegeben habe?! - weiß sie trotzig.

  ... das, sagt man nur so.

  Die Bootsfahrt zurück hat null Euro gekostet, stand auf dem Schild! „Rückfahrt null Euro“ - sagt sie so, als müsste ich begreifen worauf sie hinaus will – wie kann etwas null Euro kosten?

  ... damit will man doch nur sagen dass etwas umsonst ...

  Wenn du mir null Euro gibst, wie viel Euro habe ich dann???!

  ... etwas nichts ... kostet. ... Null Euro kann man nicht geben.

  Und warum kann dann etwas null Euro kosten?

  Das kann es nicht. Die Leute sollen das nur denken – versuche ich ihr den Trick zu erklären.

  Dann ist null komisch! - fühlt sie sich bestätigt – Null gibt es nicht. Null kann nicht sein.

  Oh doch. Null ist sehr wohl – lächle ich in den Rückspiegel.

  Ja ja, nur als Zahl...

  Nein, nicht nur als Zahl. Null kann man auch fühlen, so wie man EINEN Apfel fühlt.

  ... Herr Vater, null gibt es nicht. ... Haben wir doch gerade ...

  War es heute warm? - frage ich während ich weiter in den Rückspiegel lächle.

  Ja, seeeehr – lacht sie zurück.

  Und weißt du wie viel Grad es war?

  Bestimmt über zwanzig! - weiß sie.

  Und weißt du noch wie kalt es im Winter immer war? ... Wann Wasser zu Eis wird?

  ...

  Null Grad kann man fühlen. Da ist null real. Wenn null Grad nicht wäre, müsste man bei null Grad nicht frieren.

  Ich will jetzt heim ... und wenn du wir dann null Kuchen essen, reden wir weiter – lächelt sie zurück, nachdem sie eine Weile darüber nachgedacht hat.

 

Die Rückfahrt auf dem Boot hat wirklich null Euro gekostet. Und wenn die niemand von uns gehabt hätte, hätten wir wahrscheinlich schwimmen müssen.

Mittwoch 05. Mai, 2010

Liebe

  ... ich will ... nicht!


Es ist wieder einer dieser Sonntagabende, die man vor dem TV zu Ende erlebt. Man hat nicht viel mehr zu tun als auf die Nacht zu warten um endlich schlafen gehen zu dürfen. Darum liege ich lang auf der Couch und sehe mir im Fernsehen an was da kommt – eine Liebesschnulze, mit vorprogrammiertem Happyend.  
Edith, meine ungeborene Tochter, liegt auf der anderen Couch und sieht mit. Sie scheint recht interessiert an dem Geschehen zu sein, dass uns über Mattscheibe ins Wohnzimmer erzählt wird. Ihr Interesse muss man nicht erraten, man kann es sehen. Sie liegt unter ihrer Wolldecke und ihre Augen saugen sich regelrecht am Fernseher fest. Jeder Werbeblock wird mit verbalem Unwohl kommentiert.
  George, make an educated guess! Di di di... oh Mann, das nervt! - äfft sie nach.
  ..., - antworte ich.
Später, als das Happyend dann – wie erwartet – endlich geschehen ist, will keiner von uns etwas sagen. Der Schein trügt, denn ich kenne meine Tochter und weiß, dass sie nur auf ein Wort von mir wartet um mich mit ihren Gedanken zu fluten. Ich warte einfach ab, wie lange sie das aushält.
  JETZT sag' doch endlich was!
  ... Zähneputzen und dann ab ins Bett ...
  Wieso macht ihr immer so ein Ding aus euren Gefühlen! - ignoriert sie meine Ansage.
  Weil Erwachsene nicht mit Gefühlen umgehen können, und jetzt ... Zähne putzen und ab in Bett ... morgen ist auch noch ein Tag!
  Wieso muss man mit Gefühlen umgehen können?! Ihr seid doch schon ein paar Jahre länger auf der Welt solltet doch wissen wie man liebt! - weiß sie es besser.
  Niemand weiß wie man liebt, ... Liebe kann man nicht steuern. Sie kommt, sie geht...  – versuche ich das Gespräch zu beenden.
Es kommt wie es kommen muss. Sie will natürlich alles über Liebe wissen. Woher es kommt, wieso es kommt, wieso man liebt und vor allem, wer bestimmt das Ganze. Und genau so natürlich kann ich ihr keine Erklärung dafür geben – denn es gibt keine Erklärung. Stattdessen fahre ich den PC hoch und gebe ihr einen Text zu lesen den ich 2002 dazu geschrieben hatte. Ich selbst, gehe ins Bad und bin für Minuten befreit zu antworten – danach will ich Müdigkeit vortäuschen und schnell ins Bett.
  Wird mir das auch geschehen?! SAG SCHON!!! - fordert sie als ich ihr wortlos ihre Zahnbürste reiche.
  Auch wenn ich das nicht hoffe, musst du dich darauf einstellen... ja – antworte ich ehrlich – aber ich bin ja da und vielleicht kann ich dir ... helfen.
  ... ich will ... nicht! - sagt sie während die Zahnbürste den Rest ihrer Gedanken ausradiert.
Du wirst wollen, mein ungeborene, du wirst wollen. Denn jeder will und hinterher will niemand gewollt haben. Das gehört einfach zum Leben dazu. Nur ich, ich will wirklich nicht. :-)

Montag 16. November, 2009

gerotweint

Als ich die Haustür aufschloss, überfiel mich ein sonderbares Gefühl. Das mochte von dem Hemd kommen, das mich wortlos auf dem Treppenabsatz begrüßte. Ich wollte gar nicht anfangen etwas Schlimmes zu ahnen, denn ich ahnte, dass es viel schlimmer werden würde. Und ich hatte recht.
Im Flur lag noch ein Hemd, weiß. Im Wohnzimmer zwei, weiß. In der Küche lag ein weißes Hemd auf dem Küchentisch und eins im Waschbecken. Im Bad lag ein Hemd, ebenfalls weiß, in der Badewanne ein anderes, ebenfalls weiß, lag auf der Waschmaschine. Ins Schlafzimmer wollte ich nicht und bemerkte mehr zufällig wie im Gäste- und Ankleidezimmer alle meine weißen Hemden auf dem Boden lagen.
Abgesehen davon dass niemand außer mir meine Wohnung betreten kann, konnte das nur meine ungeborene Tochter gewesen sein. Edith muss wohl irgendetwas vorgehabt haben, dass dann völlig aus dem Ruder lief, dachte ich. Natürlich war sie nicht da, dachte ich.
  Sei jetzt bloß nicht sauer und … du wirst dich nämlich bald darüber freuen, das hat alles seinen Sinn! - höre ich sie aus dem Schlafzimmer rufen.
  Hmmmm....! - rufe ich zurück als ich entdecke, dass auf allen Hemden rote Flecken sind. - Was sind das für rote Flecken?!!
  Das ist nur Rotwein, gar nicht schlimm...
  ROT WEIN?!? Was macht Rotwein auf meinen Hemden?!!?
  Was ist das denn für eine blöde Frage, Herr Vater! Rotwein macht gar nichts auf deinen Hemden, Rotwein macht nichts auf gar keinen Hemden, es ist nur da! - weiß Edith plötzlich sehr munter.
  Komm' sofort her und räum' das weg!, dann erzählst du mir was das Ganze soll!, aber dalli! ...
Im Wohnzimmer finde ich dann eine offene Rotweinflasche, in der Küche ein mit Rotwein halb gefülltes Glas. Der Korken steckt noch auf dem Öffner und ich bin froh, dass sie sich damit nicht verletzt hat – will es ihr aber nicht sagen. Als wir dann endlich alle Hemden im Wäschekorb verstaut haben, gebe ich ihr Zimmerarrest...
  Du hast gesagt ich soll dir das erklären! - sagt sie mehr aufgebracht als dass sie mich darauf hinweisen will.
  Ich will es nicht mehr wissen...
  Aber dann kann ich dir gar nicht sagen warum du dich darüber freuen wirst...
Ich überlege, dass es wirklich nicht von Vorteil wäre, eine Tochter ohne eine solche erklären zu dürfen ins Zimmer zu schicken – auch keine ungeborene. Schließlich muss sie sich etwas dabei gedacht haben. Alle weiße Hemden mit Rotwein zu besudeln, ist nicht gerade ein Hobby.
  Dann ... .... versuch's. Ich hör' dir zu! - sage ich nach meinen Gedanken.
  Das geht aber nicht, dann ist es keine Überraschung!
  ... Edith!, mehr als das was im Wäschekorb «gerotweint» liegt, kann mich heute nicht überraschen! Wenn du mir jetzt nicht sofort erklärst was das Ganze sollte, dann ...
  Aber ... wart' bis Donnerstag! - Donnerstag sagt sie lauter als den Rest.
  So funktioniert das nicht!, du erklärst es mir jetzt oder nie...

Sie habe gestern im TV eine Werbung gesehen. Da hätte ein Mann, den sie nicht weiter kenne, einer blonden Frau Rotwein in ein Glas eingeschenkt. Dann sei ein Tropen auf ihr Hemd gekleckert. Die Frau habe gelächelt und den Fleck einfach abgezogen und auf dem Boden geschmissen. Die Erklärstimme hätte dann gesagt, dass das mit einem neuen Waschmittel bei ganz niedrigen Temperaturen ganz easy ginge. Und da ich am Donnerstag Geburtstag hätte, dachte Edith, wäre es ganz schön wenn sie mir eine Flasche von dem «Rotweinvernichtungswaschmittel» schenken würde – weil mein Hemd, dass ich am Samstag anhatte, am Sonntagmittag mit einem Rotweinfleck in der Wäsche lag und ich laut gesagt hätte, was ich wirklich auch habe, uhhhh, wenn das mal raus geht, das Hemd sei ja so schön.
Die anderen Hemden hätte sie dann mit Rotwein bekleckert, damit man eine ganze Maschine voll bekommen könnte. Denn ich hätte, was ich wirklich habe, es nicht gern, wenn man eine Maschine nur halbvoll zum waschen füllt.
Natürlich ist jetzt die Überraschung zu meinem Geburtstag keine mehr. Zwar konnte ich ihr glaubhaft versprechen, dass ich das bis Donnerstag bestimmt vergessen hätte... aber ...

Ich fühle mich schlecht.
Montag 26. Oktober, 2009

60min+

Der Spruch zum Wochenstart, wieder pünktlich an dieser Stelle:
Ja. Und weil's so schön ist, zur richtigen Zeit.

In diesem Sinne - genießen sie ihre wieder gewonnene Stunde -, einen wunderschönen Wochenstart!


  Du hast es ihnen nicht gesagt...!, schreit Edith aus dem Bad.
  ..., antworte ich.
  Wenn du es ihnen nicht sagst, ...
  Manchmal lebt man besser wenn man nicht alles weiß!, falle ich ihr ins Wort.
  Erzieht man so sein Kind?!, ...
  ... nein, aber du bist ja ungeboren; da mache ich mir keine Gedanken.
Dienstag 25. August, 2009

wieder.Daaa

Ich musste viel erklären.
Zum Beispiel, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe schneller laufen können als solche mit heller. Dass es gar keine Aliens gibt aber man trotzdem welche fängt. Dass Joghurt sich auch ohne Löffel drehen kann und ein Kompass nur an bestimmten Orten wirklich nach Norden zeigt.

Edtih hält mich ganz schön auf Trab.
Dienstag 04. August, 2009

doofe.Silberlöffel

Beispiele was man nicht sollte, gibt es genug.
Man sollte nicht unbedingt Tomaten unter dem Kopfkissen lagern, während man duscht. Eigentlich sollte man nie Tomaten unter Kopfkissen lagern, auch nicht, wenn man nicht gerade duscht. Man sollte nicht unbedingt in das Kabel eines Bügeleisen beißen wenn es in der Steckdose steckt. Eigentlich - die Klugen unter uns ahnen es wahrscheinlich schon -, sollte man auch nicht in das Kabel eines Bügeleisens beißen, wenn es nicht in der Steckdose steckt.
So gibt es viele Dinge, die man nicht sollte. Dazu zählt auch, einen Werbeblock im TV zu sehen, wenn die ungeborene Tochter auf der Couch gegenüber sitzt. Eigentlich sollte man nie einen Werbeblock im TV sehen; auch nicht, wenn die eigene ungeborene Tochter nicht auf der Couch gegenüber sitzt – aber das, ist eine andere Geschichte.

  Wieso issn die so?, will Edith wissen.
Die so, ist die Dame aus der AXA Werbung. Ich versuche gerade das issn zu entdecken und komme nicht weit, denn Edith lacht und schneidet Grimassen, während sie sehr unschöne Töne dazu murmelt.
  HEY! Ist gut jetzt...! Was hat dir die Frau denn getan?!, will ich mit scharfem Vaterton wissen.
  Die hat doch ne Klatsche!, guck mal wie die...
  DIE HAT WAS?!
Ich lasse mir erklären, was ne Klatsche bedeutet. Menschen mit ne Klatsche gucken doof und reden wirres Zeugs, wenn sie reden. Wenn sie nicht reden, gucken sie einfach doof und man weiß auch ohne dass sie reden, dass sie ne Klatsche haben.
  Nein!, die hat keine Klatsche!, sage ich schließlich, auch wenn ich davon nicht ganz überzeugt bin. Sie ist schwanger.
  Und wenn man schwanger ist, guckt man so doof?!, lacht sie weiter.
  Kann sein, ich war noch nicht schwanger...,
  Dann wird das Kind doof!, weiß Edith.
  Woher willst du dass denn wissen?!, das Kind kann vielleicht so wie du...
  Nein, das Kind hat eine doofe Eltern und wird doof. Ich habe keine doofe Eltern!

Wir reden. Über doofe Kinder und warum Kinder doof werden. Die Eltern sind schuld. Auch von Kindern deren Eltern nicht doof sind, sind die Eltern schuld. Denn doof wird man nicht einfach so, man wird doof erzogen. Eltern sind immer schuld, wenn ihre Kinder versagen. Auch wenn sie es nicht wahr haben wollen. Eltern versagen. Heute, gestern und vielleicht auch morgen.
Kinder werden allein gelassen, von Eltern die sich um sich selbst kümmern. Eltern, die lieber Porsche fahren, oder Rekorde im Revierfick brechen, Eltern, die Goethe rezitieren während sie ihre Silberlöffel-Sammlung polieren, oder überlegen ob sie den Schnaps besser im Aldi oder die Unterhosen im Kick klauen. Eltern, die ihre Kinder vergessen. Eltern die von ihren Kindern erwarten etwas zu sein, was sie selbst nie konnten.

  Aber Madonna ist blöd!, sagt Edith am Ende.
  ... ja. Und wahrscheinlich sind ihre Kinder doof, sage ich.
Sonntag 15. Februar, 2009

Zahnbürsten

  Dann gibt es zu viele!?!

Ich sehe ihr zu wie sie die Zahnbürsten auf den Tisch wirft und wortlos in ihr Zimmer geht. Sie hat recht, die Zahnbürste ist in ihrer Art recht schön verarbeitet. Ihre, die gerade noch vor mir auf dem Tisch lag, ist am Griff mit einer roten halb transparenten Einlegearbeit versehen. Man müsste viel Geschick an den Tag legen, um das selbst herzustellen – und wenn, wer würde dann noch eine solche Zahnbürste nach Abnutzung einfach weg werfen?
Edith, meine ungeborene Tochter, regiert auf ihre Umwelt wie ich es von mir als Kind kannte. Sie ist fasziniert von alltäglichen Gegenständen. Letzte Woche reihte sie mir ein paar Kugelschreiber in ihren Einzelteilen auf meinen Schreibtisch und wollte wissen, welches dieser Teile wir selbst herstellen könnten. Als ich ihr begreifbar machte, dass das wohl mit keinem dieser Teile so einfach sein würde, wurden die Kugelschreiber unsagbar wertvoll.
Heute Morgen gab es dann für jeden von uns eine neue Zahnbürste. Sie eine Rote, ich bekam eine blaue. Das heißt, rot und blau sind die Verzierungen am Griff. Die alten Bürsten wollte ich in den gelben Sack wissen, fand sie aber nach dem Frühstück auf der Couch neben Edith.
  Hattest du noch keine Zeit die alten Dinger in den Sack zu werfen?, wollte ich etwas verärgert wissen.
  Nö, Zeit schon aber keine Lust! Ich will die behalten!, gab sie trotzig zurück.
  Als Erinnerung oder willst du damit vielleicht die Kacheln im Bad putzen?!
  Ha ha, ... nein, die sind schön und Schönes wirft man nicht einfach weg!, belehrte sie mich.
  Das sind nur Zahnbürsten. Zwei ganz einfache Zahnbürsten die man für ein paar Euro fünfzig in jedem Supermarkt bekommt. ... Wirf sie weg ... wenn du nichts spezielles damit vor hast!, versuchte ich zu befehlen.
  Ist mir egal was die kosten!, solange ich nicht weiß wie man diese durchsichtigen Platten da machen kann werfe ich sie nicht weg!
Es folgte eine Diskussion über Herstellung von Zahnbürsten und Kugelschreiber. Wir redeten über Design, verschiedene Materialien und schließlich auch über Maschinenbau.
  Das muss doch richtig teuer sein. Soviel was da drinsteckt. Dann werfe ich es gar nicht weg!, ließ sie mich am Ende wissen.
  Na so schlimm ist es auch nicht. Schließlich werden die Dinger in Massen hergestellt. Abertausende davon werden täglich verkauft. Das ist so kalkuliert, dass man am Ende sehr gut daran verdient. Die wollen also sehr dass wir die alten wegwerfen und neue kaufen. Dann erst macht sich das Ganze bezahlt..., erklärte ich ihr.
  Je mehr es von etwas gibt desto billiger wird es?
  Ja, so kann man das sagen.
  Immer?
  ... ... immer.
  Und dann ist es gar nicht schlimm wenn man ein Ding weg wirft weil es ja so viele gibt und eins allein nicht so viel wert ist?
  ... ... ja, so könnte man das sagen.
  Dann gibt es zu viel!?!, schrie sie fast.
  Zuviel Zahnbürsten?, fragte ich erstaunt über ihre Reaktion.
  Nein du Schnellschalter aller Väter! Zu viel Menschen! Das ist also der Grund warum die Menschen immer Krieg machen und keiner was sagt wenn da gestorben wird. Es gibt zu viele Menschen. Die sind in der Masse nichts wert!
  .... ... so könnte man das sagen, wollte ich sagen. Sagte es aber nicht und legte die gebrauchten Zahnbürsten zu den anderen gebrauchten Zahnbürsten in die Schachtel in der Abstellkammer.

Irgendwann werde ich damit vielleicht Kacheln putzen ...
Dienstag 03. Februar, 2009

ver.liebt

Den ganzen Tag schon lauert sie mir hinter irgendwelchen Menschen auf, streckt mir die Zunge mit den Worten - die sich auch deshalb eigenartig anhören - UND BIST DU DOCH, entgegen. Das Ganze wäre nicht schlimm, wenn ich mich nicht zu einer Reaktion gezwungen fühlte. Ignoranz hat seine Grenzen. Schlimme Grenzen. Besonders wenn man versucht die eigene ungeborene Tochter zu ignorieren. Noch schlimmer ist das Ganze wenn eben diese ungeborene Tochter weiß, wie schlimm diese Grenze ist und dass der Herr Vater ... eben.
Dann passieren so lustige Sachen, die eigentlich gar nicht so lustig sind. Jedenfalls nicht für mich. Denn die Bäckereifachverkäuferin fragt gerade ob ich noch einen Wunsch hätte, während ich versuche Edith aus meinem Sichtfeld und dem daraus resultierendem Reaktionswunsch zu bekommen. Mein halbes Lächeln wird daraufhin als eine Art Anmache erkannt und die Dame Fachverkäuferin resultiert ebenso in einer Art Reaktion, das in einem Grinsen über beide Ohren mir entgegen segelt. Nein, will ich sagen, nein, ich habe keinen Wunsch und bestimmt auch nichts für ein solches Lächeln jetzt übrig. Zwei Euro achtunddreißig ... ich kann ihnen auch eine Tüte geben, sagt sie immer noch mit dem resultierten Grinsen über die Backen gezogen. Danke, ich glaube den Berliner schaffe ich ohne Tüte, gebe ich zwinkernd zurück. UND BIST DU DOCH!, schallt Edith neben mir, doch doch doch!
Als ich dann die Fußgängerzone springend entlang gehe, spurtet sie in Rückwärtsrichtung vor mir.
   Hmmm, na, wir sprechen heute wohl nicht gern mit der eigenen Tochter, HERR VATER!!!
  ..., flüstere ich ohne den Mund zu bewegen.
  Schon verstanden ... ich hab' schon verstanden! Wir reden ein anderes Mal, gell!, Herr Vater!
  ...

Wie auch immer. Edith ist überzeugt davon, ich sei verliebt. Wie sie auf den dummen Gedanken gekommen ist, weiß ich nicht. Oder doch. Aber das spielt keine Rolle, denn ich müsste es doch wissen ob ich bin wie sie denkt dass mir ist. Ich bin nicht. Nein. Überhaupt, nein.
Mittwoch 28. Januar, 2009

Gen.Lotto

Edith war zwei Wochen bei ihrer Mutter.
  Ich habe nachgedacht und es ist schlimm..., mit diesen Worten saß sie heute als wäre sie nie fort gewesen auf der Couch gegenüber. Ich habe nachgedacht und es ist so schlimm wie nicht hier zu sein! ... hörst du mir überhaupt zu! ...
  Sicher habe ich zugehört, es ist schlimmer als nicht hier zu sein..., versuche ich ihr meine Freude zu zeigen.
  Ja, ganz viel schlimmer. Ich habe nachgedacht! und weißt du was?!
  ... Nein.
  Ich bin eine Türkin?! und heiße Edith!!!, flüstert sie mir hart entgegen.
  Sooo schlimm ist das doch nicht, flüstere ich zurück. Wenn du willst, nenne ich dich ab jetzt Pamuk oder Melek. Oder ist es schlimm, dass du Türkin bist…, versuche ich etwas ernster zu werden.
  Nein. Du bist doch auch Türke!, kontert sie.
Klar, bin ich. War ich. Bin ich. Wer weiß schon was man ist, wenn man hier von Türken geboren wurde. Alte Leier, zu oft durchgekaut.
  ... was ist also so schlimm?, will ich wissen.
  Na, jetzt aber Herr Vater. Du hast es gut. Du bist ja echt gut. Edith die Türkin!, schießt es aus ihr heraus.
  Klingt gut...
  Nein das tut es nicht! Ihr Eltern bestimmt was man ist und wie man heißt. Wir Kinder müssen dann unser Leben lang damit fertig werden.
  ... Aber wie soll es denn anders sein? Eltern bestimmen doch nicht...
  Doch, ihr bestimmt ob man Türkin oder vielleicht Russin ist. Dann gebt ihr uns Namen und wir sind dann so, türkisch oder französisch oder Obama. Soll ich dir jetzt Dankeschön sagen dass ich nicht arabisch bin und Kopftuch tragen muss?, herrscht sie mich an.
Was soll ich denn da noch sagen?, denke ich mir. Irgendwie hat sie ja recht. Eltern bekommen Kinder … aber denken nicht darüber nach. Es ist wie in einem Lottospiel und der Gewinn ein Mensch.

Fortsetzung folgt...
Donnerstag 01. Januar, 2009

BerlinER

  Was hat das denn jetzt ein Fisch damit zu tun?!

Wenn ich gewusst hätte, dann. Eine Redewendung die es in sich hat. Denn wenn wir alles was wir erlebt haben, vorher gewusst hätten, dann. Dann hätte ich Edith zum Beispiel keinen Berliner zum Nachtisch gebracht.

  Ich mag's wenn die Marmelade noch warm raus fließt wenn man drauf beißt, sagt Edith und schielt auf den Berliner den sie sich mit beiden Händen vors Gesicht hält.
  Ich mag es nicht, wenn Marmelade auf den Teppich fließt ... egal ob noch warm oder schon kalt!
  Kann ich doch nichts dafür wenn du mir einen BERLINER mitbringst ... ich pass' schon auf!
  ... nächstes Mal bekommst du einen Amerikaner, da ist keine Marmelade...
  Ich will keinen Amerikaner ... Berli... warum heißt der eigentlich Berliner?
Wir reden über Spezialitäten und eben, dass vieles nach dem Ort wo es entstand benannt wurde. Sacher Torter, Bermer, Berliner, Hamburger Wi..
  Ich wär' beleidigt wenn ich wie eine Wurst heißen würde, wer will schon wie eine Wurst heißen?
  Es ist eher so, dass die Wurst nach ...
  Das interessiert doch niemand. Stell dir vor du bis in China und sagst du bist ein Wiener! Na?! Wer denkt denn da schon an Wien ... ?!
  Ich glaube nicht dass man in China Wiener isst ... aber man wird Wien kennen. Ich bin mir aber weder bei dem einen noch dem anderen sicher, denke ich mir.
  Dann eben in Chicago New Orleans!, gibt sie trotzig zurück und beißt in den Berliner.
  Chicago New Orleans gibt es nicht. Entweder oder, das sind zwei verschiedene Städte.
  Du weißt natürlich immer alles besser, Herr Vater. Chicago New Orleans ist in Amerika!, das habe ich im Fernsehen gesehen. Die tanzen auf der Straße und essen Wiener in langen Brötchen!!
  So so, das machen die also in Amerika Chicago New Orleans. Und ich hab mir schon überlegt was die da so machen?.., gebe ich trocken von mir.
  Ich will trotzdem kein Wiener sein auch wenn Chicago nicht in Amerika liegt!
Eigentlich will ich ihr etwas entgegnen, sehe ihr aber lieber zu wie sie den restlichen Berliner in die Marmelade auf dem Teller tunkt.
  Außerdem heißen die immer nach Männern, Wiener, Bremer, Berliner, Hamburger.
Stimmt, denke ich und frage mich im selben Zug, warum noch keine Alice Schwarzer hierzu auf die Barrikaden ging. Aber wie hört sich das an, wenn man am Nordsee Imbiss steht und eine Bremerin wünscht..?
  O.K., nächstes Mal bekommst du keinen Berliner sondern Krapfen..., so darf man zu Berliner nämlich auch sagen.
Mittwoch 31. Dezember, 2008

Ultimo

Ein paar Stunden noch, dann ist das Jahr 2008 hierzulande auch überstanden.
Eigentlich ist Sylvester nichts besonderes, wir machen es nur dazu. Berechtigt, denn der Mensch braucht solch' Punkte in seinem linearen Dasein. Ein neues Jahr beginnt, man macht alles besser, zumindest will man es so und alles wird gut. Hoffentlich - denn dagegen ist nicht einzuwenden. Manch Träume soll man lassen, denn sie schaden nicht.
Auf einen Rückblick 2008 verzichte ich. Viel passiert, weil gelebt. Viel gelacht, einmal geweint und ansonsten keine Hämorrhoiden.
Für 2009 wünsche ich mir ...
... weitere 2 Millionen, Sonne und immer guten Kaffee in der Tasse.

Kommen sie gut rüber und feiern sie schön,
mit den besten Wünschen von mir und Edith!
Montag 22. Dezember, 2008

Geburts.tag

  Dann sind die alle blöd?
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Mittwoch 17. Dezember, 2008

Haare.schön

Das Jahr geht zu Ende. Und wie immer in diesem Abschnitt sollte der Tag für mich noch weitere 24 Stunden haben. Das scheint nicht nur mir so zu gehen. Das Chaos auf den Straßen spricht für sich - Hektik überall. Der Rest der Menschheit hierzulande - der sich nicht durch den Verkehr kämpft - scheint krank zu sein. Übelst grippal erlegen.

Edith zupft mich ständig am Arm, jetzt geh' doch schon!, du musst. Sie meint ich müsse zum Friseur - auch wenn ich meine keine Zeit dafür zu haben, gebe ich jetzt nach. Schließlich will ich ja «gut» aussehen für meine Ungeborene.

Als dann, bin dann mal weg zum Friseur!
Montag 24. November, 2008

Rappunzel

  Rapunzel Rapunzel aus Havelland... Rappaunzel Pappaunzel aus Havelland...
  Pilze oder Tunfisch?
  Rapunzel Rapunzel aus Havelland, vierzehn Pilze in ihrem Garten stand. Und kam ein Tunfisch daher, so rief er, ... hey Tunfisch!, heute nicht!
Also Pilze, denke ich mir und weiter ob ich ihr vielleicht Spielzeug kaufen sollte. Nur was? Spielzeug ist ja nicht einfach Spielzeug. Spielzeug will ausgewählt sein, pädagogisch rein und so weiter.
  Knalle knalle auf die Bleche, dass zum Abend endlich Essen... auf dem Teller ... ich mag Phonetik, Herr Vater. Phonetik ist schön.
  Ja, aber es wäre lieb wenn du etwas leiser Phonetik schönerst...
Edith kniet sich vor dem Herd und steckt abwechselnd ihre Zeigefinger in die Ohren während sie, Rapunzel und Havelland, vor sich her sagt.

Wir haben gestern ein paar Gedichte gelesen. Eben weil ich kein Spielzeug für Edith habe. Mein Fehler, aber was macht man als Eltern nicht für Fehler beim Kind... Außerdem kann ich ja nicht einfach in einen Spielzeugladen laufen und fragen, was man für eine ungeborene Tochter ... braucht. So haben wir zusammen Gedichte gelesen; Fontanes Herr von Ribbeck auf Ribbeck, Goethes Zauberlehrling und Schillers Glocke, mussten dabei laut lachen, weil Edith es lustig fand, nachdem ich ihr in einer Laue, von Phonetik erzählte, Wörter zu tauschen, deren Form das Gebilde nicht zerstörten, wie ich es ihr kurz vorher versuchte hatte zu erklären. Als dann Rapunzel plötzlich den guten Ribbeck verdrängte, hatten wir den Salat.
Heute Morgen war alles Rapunzel aus Havelland. Rapunzel schmierte Erdnusscreme, Rapunzel wollte Kakao, Rapunzel schmiss Äpfel, Rapunzel Rapunzel im Bade stand ...

Kennt jemand Spielzeug? Spielzeug ohne Phonetik?
Donnerstag 20. November, 2008

Werkzeugtasche

Edith steht am Dachfenster und sieht durch das Fernrohr den Himmel ab, während ich den versprochenen Pudding koche.
  Meinst du man kann sie sehen?, fragt sie zum Fenster raus.
  Wen?, antworte ich obwohl ich mir schon denken kann worauf sie hinaus will.
  Wäre doch schön, wenn es in unser Garten fällt ... dann könnten wir bestimmt eine Schule bauen.
  Das fällt nicht in unseren Garten, sage ich und drücke noch etwas Honig in den heißen Pudding.
  Woher weißt du das?, es könnte doch und dann will ich es sehen, antwortet sie trotzig.
  Das fällt nicht in unseren Garten ... es fällt in keinen Garten, entgegne ich ebenso trotzig.
Mit den Worten, kann mal jemand die Sendung Herr Vater weiß mal wieder alles besser umschalten?!, nimmt sie mir den Schneebesen aus der Hand und leckt den Pudding davon ab.
Ich nehme einen großen Löffel und tue so als würde ich ab schmecken.
  Dann fällt es eben auf ein Schiff ... aber nicht ins Meer ... und vielleicht bauen die dann eine Schule, träumt sie, wieder am Fenster stehend.
  Es verglüht bevor es überhaupt in Sichtweite ist, deshalb wird es auch nicht ins Meer fallen, geschweige denn auf ein Schiff – und dann erkläre ich ihr, während wir den Pudding genießen, warum die Werkzeugtasche verglühen wird und nicht in unser Garten fallen kann.
Edith, meine ungeborene Tochter, ist zurzeit davon besessen alles im Ebay zu verkaufen um mit dem Erlös eine Schule in Afrika zu bauen. Wie es dazu kam, ist eine andere Geschichte die ich hier ein anderes mal erzählen werde.
  Aber wenn wir die Tasche als Sternschnuppe sehen, könnten wir uns wünschen dass eine Schule in Afrika gebaut wird, sagt sie und steht wieder am Fenster.
  Ja, sage ich und stelle mich daneben, aber vielleicht können wir uns das auch ohne Sternschnuppe...
Samstag 15. November, 2008

Lotion

Vor ein paar Tagen, ich saß gerade auf dem Sofa und las, kam Edith aus dem Bad gesprungen, schmiss mir eine Flasche Kreme mit den Worten, WIE KANNST DU DAS NUR TUN!, entgegen und verließ die Bühne. Ich hatte weder Zeit mich zu wundern noch zu fragen. Weg war sie.
Als sie nicht wieder kam, habe ich die Flasche Lotion wieder an ihren Platz gestellt. Natürlich habe ich versucht einen Zusammenhang zwischen Bad, Kreme, ihren Worten und der Lautstärke zu ziehen. Fand aber keine Antwort und ließ es dabei sein.
Heute Abend, ich saß gerade auf dem Sofa und las, kam Edith aus dem Bad und stellte wortlos die Falsche Lotion auf den Tisch. Dafür stand sie mit verschränkten Armen da und ich begriff dass sie auf eine Antwort wartete.
  NA, was hast du dazu zu sagen?!
  Ist sie leer, oder warum beschwerst du dich?, versuchte ich einen Faden zu finden um hinter ihr Geheimnis zu kommen.
  Du hast gesagt, ich darf alles im Bad benutzen außer an dein Rasierzeug. Das ist eine Lotion und kein Rasierzeug!, die darf ich ja wohl nicht benutzen!
  Und warum solltest du das nicht dürfen?, gab ich ruhig entgegen – immer noch unwissend was hier genau passierte.
  LOTION!, das ist eine LOTION!, und was bin ich?!
Abgesehen davon dass ich wirklich nicht genau weiß, was Edith eigentlich wirklich ist, außer meine ungeborene Tochter, wusste ich natürlich dass das vor mir auf dem Tisch, eine Lotion war ...
  ICH BIN EIN KIND?! Und was macht eine Lotion mit Kindern?! ...
  Du wirst es mir gleich sagen?
  Sie frisst sie!, sie frisst sie!
Ich nahm die Flasche, öffnete den Verschluss, drückte etwas davon auf meine Hand und hielt es Edith entgegen. Sieh hin, wie soll dass Kinder fressen? Das ist eine Kreme. Man schmiert sie sich auf die Haut...
  In der Schule haben sie gesagt, dass die Lotion ihre Kinder frisst!
  Die Lotion ... ihre ... in der Schule ... - kann es sein, dass du da etwas falsch verstanden hast? War vielleicht von einer Revolution die Rede?, lächelte ich...
Die Rede war und so erzählte ich Edith von der Französischen Revolution. Von Robespierre, den Bretonen, von Danton und den Cordelliers, von den Korffs, den marschierend singenden Marseiller, von den Septembermorden, etc. Und natürlich davon, dass die Revolution ihre Kinder fraß.
  Das ist eine schlimme Geschichte, Herr Vater. Gott sei dank ist das vorbei ...
  Ja, Gott sei Dank. Aber wir haben heute noch sehr viel von der französischen Revolution um uns.
  Was denn?...
  Viel. Die Gewaltenteilung des Staates – die eigentlich eine Erfindung eines Engländers war -, die Positionierung der Parteien, links und rechts – weil die Jakobiner Bretonen und die Cordelliers so in ihren Versammlungen saßen -, bisschen von dem Terror der damaligen Zeit ... und dass eine ungeborene Tochter heute jede Lotion die sie in meinem Bad findet ohne bedenken benutzen darf.
  Ich will meine eigene Lotion ... deine riecht komisch ...
  Du hast sie also doch ... lachte ich.
Montag 21. Juli, 2008

Muhhh

Muhhh ... hältst du? Ich muss nicht in den Rückspiegel sehen um zu wissen, dass meine ungeborene Tochter Edith wieder einmal - und ohne Vorwarnung -, aufgetaucht ist. Ich war gerade noch bei einem einem Arzt, dessen Rechner meine Patienten sind, im Nachbardorf. Und eben als ich dieses kleine Dörfchen - dass für seine Heimat an Rechtsanwälten, Ärzten, Ingenieuren und Alkoholikern bekannt ist - verlasse, meldet sich Edith.
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Freitag 27. Juni, 2008

Gebärdig

Will die uns verarschen?, höre ich plötzlich Edith von der Couch gegenüber fragen. Mit die, meint sie wohl die zu den Nachrichten oben rechts eingeblendete Dame auf dem Fernsehschirm.
Wie sprichst du denn!, entgegne ich ohne auf ihre Frage einzugehen, seit wann sagt man verarschen?! Na du bist mir aber ein guter Vater, das hab' ich von dir! Von mir??? ... wann hab' ich verarschen gesagt! Klar hast du doch, gestern an der Tankstelle hast du das, sagt sie und zeigt schon wieder mit zusammengekniffenen Augen und ausgestreckten Zeigefingern auf mich. Du hast den Mann mit der Bierflasche gefragt ob er dich verarschen will und wenn er nicht gleich aufhört mit deiner Fahne zu wedeln dann wedelst du mit ihm! ... Mir fällt das Szenario wieder ein. Nur ein Intermezzo und nicht wirklich wichtig.
Manchmal muss man mit Menschen in ihrer Sprache reden, sonst verstehen sie einen nicht, versuche ich kleinlaut zu erklären. Außerdem hättest du das gar nicht hören sollen ... nein, die will uns nicht verarschen. Es sieht aber genau so aus wie der Typ von gestern, lässt sie mich wissen. Mag sein, man nennt das Gebärdensprache, sie übersetzt die Nachrichten, für Gehörlose.
Nichts, keine Fragen mehr. Edith scheint zufrieden. Wir sehen uns noch die geniale zweite Halbzeit des EM-Halbfinales zwischen Spanien und Russland an, freuen uns über den Sieg und schließen den Tag ab.
Weißt du was?, fragt sie dann nach dem Zähneputzen, ich will das auch lernen. Da ich genau weiß, was, frage ich nicht sondern weise darauf hin, dass das sinnlos wäre, weil ich ja noch sehr gut hören würde. Aber nicht doch die Gebärdensprache, Herr Vater, ich meine manchmal mit Menschen auf ihrer Sprache reden ... so wie du.

Wenn sie so weiter macht, gehe ich stumm durch diese Welt.
Donnerstag 27. März, 2008

Edith

Interessante Frage, dachte ich als Edith mich damit gestern Abend erschlug. Das muss man doch wissen wo man heutzutage alles nachschlagen kann, knallte sie mir auf mein, woher soll ich das denn wissen, entgegen.
Kurz: Edith wollte wissen wie viele Prominente es auf der Welt gibt. Das kam nicht einfach so aus ihr heraus, wir sprachen über Statistiken. Jedes dritte Kind bekommt einen Krippenplatz - mit diesem Satz der Ursula von der Leyen wollte Edith sich nicht zufrieden geben. Jedes dritte Kind kann man doch nicht sagen, behauptete sie. Wer bestimmt denn wer das dritte Kind ist? Das bestimmt niemand, das nennt man Statistik, wollte ich ihr erklären. Von der Gesamtzahl der Kinder wird eine bestimmte Summe genannt und daraus folgt dann wie hoch der Anteil an eben der Gesamtzahl ... Herr Vater, du mal wieder!, Gesamtzahl, Anteil!, rotierte sie dann schon fast. Also haben wir über Statistiken geredet und dann wollte sie plötzlich wissen wie viele Prominente es gibt damit sie sagen kann, welcher «wievielte» Mensch ein «Promi» ist.

Kinder sind arg. Ich weiß nicht wie das mit normalen Kindern ist - mir reicht meine Ungeborene allemal.
Mittwoch 21. November, 2007

SterbeHilfe

Erklär' das mal einem Kind, denke ich und frage mich im selben Augenblick ob es ein Erwachsener überhaupt verstehen könnte. Wahrscheinlich habe ich selbst nicht verstanden, begreife ich als ihrem kindlichen Blick standhalte und ihrem Wunsch, mehr der Angst, nachgebe: »Ich verspreche dir hiermit hoch und heilig und für immer, nie von dir zu erwarten eine Selbsttötungsmaschine an mir aufzustellen, noch dass ich es von jemandem anderen fordern werde«. Ich kann ihre Zufriedenheit sehen - sie legt ihren Kopf langsam auf die Couchdecke und schließt dabei die Augen.
Ich kann nie sagen wann Edith plötzlich auftaucht. Das stille Abkommen - mehr ihr Gesetz - immer und zu jeder Zeit da sein zu können wo ich gerade bin, habe ich schon lange akzeptiert. Es ist, so mein Verständnis in der Sache, das Grundrecht meiner Ungeborenen. Also war sie da als, mehr zur Ablenkung denn wirklich an Interesse, ich eine Sendung über Sterbehilfe verfolgte. Soll ich umschalten?, fragte ich nachdem sie sich auf dem Dreisitzer nieder ließ. Darf ich trotzdem mit sehen!, neckte sie zurück. Interessiert es dich denn... Herr Vater, begann sie mit ihrer einzigartigen Weise mir zu zeigen, dass ich nicht fragen soll wenn ich die Antwort schon kenne. Mit einer «schon-Gut-Bewegung» meiner Hand in Richtung TV, schnitt ich ihr das Wort ab. Nach der Sendung musste ich eine gute Stunde Rede und Antwort stehen bis ich das Versprechen oben geben konnte.
Edith wollte nichts von Würde wissen, wenn es um Leben geht. Auch ich habe meine Probleme damit. Vor allem aber machte sie sich - machten wir uns - Gedanken über Herstellung und Vertrieb einer Selbsttötungsmaschinerie. Sind wir denn schon soweit? Wird es die Dinger irgendwann im WWW Ebay günstiger zu kaufen geben oder wird, was ganz sicher ist, jemand auf die Idee kommen solche Apparaturen zu vermieten?

Die Würde eines Menschen ist unantastbar, verspricht ein großes Märchenbuch, ohne zu erklären, wer bei wem diese zu definieren weiß. Waren die Tötungsanlagen in Auschwitz, Sobibor oder Treblinka auch würdevoll... im Zahn ihrer Zeit?
Donnerstag 18. Oktober, 2007

Reise

Was soll ich sagen: Edith will raus, spielen, andere Leute in deren Wohnzimmer besuchen.
Diese Kinder. So ungeduldig; sogar die Ungeborenen sind so.
Ich hab' gesagt, bald. Wenn dieses bescheuerte Jahr nicht mehr gezählt wird, darf sie spielen gehen. Wohin auch immer. Sie schmollt.

Wird schon werden.
Montag 08. Oktober, 2007

2.Tage

Es sei ja so, dass ich im Vorteil lebe, sagt sie. Ich lass' sie reden und sehe zu wie sie mit ihren Fingern Backsteine in die Luft zwischen uns schneidet. Gedanklich stapel ich die geschnittenen Kubik im Vorgarten meiner Erinnerung. Jeder Würfel verdrängt was da an Altlast vor sich hinrost. Im Vorteil zu leben, hat seine Vorteile. Hörst du mir überhaupt zu?, fragt sie mit verschränktem Werkzeug. Wie könnte ich nicht, antworte ich schnell, ... rede weiter. Das war alles, bekomme ich zurückgeschlagen. Das war alles!

Nein, als Vater einer Ungeborenen lebt man nicht im Vorteil. Zumindest nicht bewusst.
Sonntag 08. Juli, 2007

IntemezzoB

Vorhin hat sich das B bei mir beschwert, beziehungsweise erleichtert. Aber nur etwas - soweit das möglich war. Denn es ist, wie es das selber formulierte, seit Anbeginn der Verständigung in einer unmenschlichen Position. Nichts wert oder beständig. Birne Baum Bär bringt Biene, Brett biegt Beteigeuze. Selbst als Gott sich als Grieche offenbarte, wurde das «B» vernachlässigt. Ich bin das Alpha und Omega, sprach er und ließ es so schreiben.
An dieser Stelle denkt manN natürlich über den BH nach. Manchmal geht es nicht ohne und mit kann sehr interessant sein. Eine Tatsache die das B aber nicht akzeptiert, denn diese rein maskulin-menschliche Erfindung habe es zu Gotteszeiten nicht gegeben - damals als der noch Grieche war und schreiben ließ. Außerdem sei der BH eher ein O, wollte aber nicht näher darauf eingehen.

Ich wusste nicht zu trösten, als das B sich ausgesprochen und sichtlich gebrochen auf meiner Couch saß. Weder ein Glas Wasser noch Direktsaft aus Blutorangen wollte es trinken. In das Schweigen flüsterte Edith mir ins Ohr, ich solle jetzt endlich was machen sonst würde sie zu schreien anfangen und ich wüsste ja was passieren würde wenn sie zu schreien anfinge. Ich wollte nicht testen ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, zu wissen was passiert wenn Edith zu schreien anfängt und bat das B zu gehen. Burch die Bür oder Bachfenster?, fragte es dann. Bu kannst burch den Bamin, der ist bämlich beu, antwortete Edith für mich.

Armes B. Aber bu kannst bich immer banrufen wenn bu beden billst.
Samstag 28. Januar, 2006

Lokullisch

Edith, die ungeborene, plötzlich, überall und jederzeit materialisierende Tochter, nervt. Seit Tagen. Sobald ich etwas Luft hole, steht, sitzt und geht sie neben mir. Manchmal zwickt sie - gern in den Oberschenkel, oft aber tritt sie mich einfach in die Kniekehle - wenn ich versuche ihr keine Aufmerksamkeit zu schenken. Meine Hoffnung, da nur ich sie bisher sehen kann, der Peinlichkeit einer Erklärung um vermeintliche Selbstgespräche zu entkommen, drückt sich im germanischen Walls gegen römischer fehlender mathematischer Basis aus. Die einzige Ruhe vor ihren Angriffen habe ich auf dem Lokus. Wirklich. Auch wenn ich es mir dort gemütlich machen könnte - zurzeit ist das technisch nicht möglich - kann ich mir nicht vorstellen, dort zu leben. Irgendwann muss ich ja mal raus, beziehungsweise rein, in den Alltag. Dorthin wo man erntet, Geld für Obdach, Essen, Dusche, Lokus, Internet - schließlich will Mann in Ruhe seine Klowand beschmieren. Nein, es gibt kein entrinnen für mich vor Edith.

Sie sei mit der Gesamtsituation unzufrieden. Das Kind nervt.
Und ich kann nicht mal hoffen dass sie entführt wird. Oder ähnliches.

Kind. Ich kann gar nicht soviel essen wie ich scheißen will, gerade.
Montag 10. Oktober, 2005

Noisette

Feierabend, zwei Karo von der «keine Sieben Schokolade» (Noisette) und plötzlich ist der Traum von etwas Ruhe und einfach nur dasitzen aus. Edith. Sie sitzt neben mir und zwickt mich in die Hüfte: Na Herr Vater, hast wohl gedacht, ich würde es nicht sehen? In Hoffnung, ihr damit ausweichen zu können, reiche ich ihr wortlos die Schokolade rüber. Die Hoffnung hält gerade mal 23 Sekunden, danach spielt sie da capo; zuerst kneifen, danach fragen. Da man Kinder nicht im Unverstand mit Schokolade füttern soll - auch nicht um sie ruhig zu stellen - gebe ich ein ruhiges, nein Edith das dachte ich nicht, zurück. So so, Herr Vater dachte nicht - schmunzelt meine Ungeborene - dann erkläre es mir.
Was willst du denn genau wissen, frage ich um Zeit für weitere Ausreden zu finden. Na, was man mit Geld alles anstellen kann und weshalb Fußballer soviel verdienen? Darauf lässt sich nicht einfach so eine Antwort geben ... und jetzt geh' ins Bett, es ist spät und ich will Lost sehen. Manchmal muss ein Vater, und wenn er nur der einer Ungeborenen ist, ein Vaterwort sprechen.
Donnerstag 22. September, 2005

ältern

Und da ich Sohn meiner Eltern bin, fuhr ich heute beide zum Flieger. Stuttgart.

Ich lade Gepäck und Eltern am Terminaleingang aus und fahre den Wagen in das Parkhaus gegenüber. Ein Kaffee, etwas Plaudern etc. und dann will ich weiterfahren. Kaum einen Parkplatz gefunden - die Blase am platzen - ruft Mutter an.
  Sohn, Dein Vater steht noch draußen am Eingang, rauchen.
  Ja Mama, ich bin auch gleich da, muss noch schnell Hände ...!
  Warte nicht auflegen, fällt sie mir ins Wort; Sag's ihm nicht, wir waren Gestern im Media Markt und er wollte unbedingt das Zenzor kaufen.
  Mama ... ich muss...!
  Hör mir doch zu, er darf das nicht wissen ...
  MAMAAAA, ich mach mir gleich in die Hosen und da hilft auch kein ZENZOR. ... ...   ... Geh' schnell auf die Toilette und ruf mich sofort nach dem Händewaschen an!
  Danke Mama.

Zwei Minuten später ruft sie wieder an.
  Warst du jetzt?
  Ja, was ist jetzt mit diesem Zenzor, will ich während dem Händewaschen wissen.
  Er wollte dieses Zenzor haben, ich hab's ihm verboten, er kauft doch alles was er sieht ... geh' das doch am Samstag kaufen und stell's ins Wohnzimmer als Überraschung.
  Mama, was ist ein Zenzor?
  Na du weißt doch, dieser moderne Kaffeeapparat.
  Ihr wollt eine Senseo Maschine ... wirklich, will ich wissen?
  Ich nicht, ER will, er sagt er will mehr Kaffee trinken, es sei gut für ihn.
  Mama, ich kauf' euch was Besseres, keine Senseo, lass mich nur machen ...

Am Terminaleingang steht Vater und wartet auf mich. Ich entschuldige mich, wäre auf der Toilette gewesen.
  Ja, jetzt wart mal, sagt er und zückt seine Brieftasche.
Er will mir Geld geben, frage ich mich?
  Hier, 70 Euro, sagt er und reicht sie mir.
  Nö Papa, wirklich nicht!
  Die sind doch nicht für dich, du sollst mir was kaufen ... deine Mutter darf aber nichts davon wissen.
  Was denn Papa, frage ich?
  Wir waren Gestern im Media Mark die Digitalkamera kaufen und da habe ich die Sensei gesehen.
  Senseo, sage ich.
  Dann eben Senseo, du weißt schon.
  Ja, ich weiß.
  Geh' sie kaufen und sag' du wolltest uns überraschen, sie will nicht dass ich sie kaufe, weißt er mich in eine Verschwörung gegen seine Angetraute ein.
  Papa, weißt du eigentlich dass diese Dinger richtige Abzocke sind.
  Arg, fragt er mich nachdem er mir etwa 20 Sekunden in die Augen sieht?
  Arg, sage ich. Ich kaufe euch eine andere Kaffeemaschine ... versprochen.

Später trinken wir Kaffee während ich beiden die Digitalkamera erkläre. Wir verabschieden uns am Terminaleingang, küssen uns bäckchenweise.

Auf der Autobahn - das Radio ist aus - sitzt plötzlich Edith neben mir.
  Weinst du weil du sie vermisst, will sie wissen?
  Ich weine nicht, das sind nur Tränen, sage ich ohne sie dabei anzusehen.
  Tränen, weil du sie liebst, löchert sie weiter?
  Ja, genau darum, gebe ich zurück.
Dann ist schweigen. Minutenlang.

  Ich weine jetzt dann auch, Herr Vater, sagt sie während ich an einer Kolonne LKW vorbeirausche.
  Warum denn Edith, frage ich?

  Na, ich lieb' dich doch auch ...


So sind sie, die Ungeborenen.
Mittwoch 31. August, 2005

Very.new Orleans

Katrina oder wie man die vorhergehenden und nachfolgenden Naturkatastrophen auch nannte und nennen wird - einen primären Gegner wird man nicht finden. Der US-Präsident machte sich den Kampf gegen den Terror - mehr den subjektiv wahrgenommenen als den real wirkenden - zum Wappen seiner Amtszeit. Um die Welt zum «einem sichereren Platz für die freien Menschen« zu machen, opfert man im Gegenzug den Erdball. Das Kyoto Protokoll ist keine Farce sondern die absolute Notwendigkeit für unsere weitere Existenz. Das nun zerstörte New Orleans wird nur für den Rest der Welt als Zeichen für diese Notwendigkeit verstanden, als das es die US-Regierung nicht erkennen will. Morgen schon, wird es einen höheren Wall um New Orleans geben. Damit ist das Problem gelöst.

Trittin hat sich in der Frankfurter Rundschau sehr diplomatisch und gelinde ausgedrückt. Dafür beweisen aber unsere Unionspolitiker hierzulande, wie beschränkt, borniert und uneinsichtig ihre Stellung bezüglich dieses Themas ist. Man dürfe seine Partner nicht verstimmen und, die Union würde voll zu eben diesen Partnern stehen. Leider ist die Menschheit nicht ausreichend sensibilisiert für die Termen des Kyoto Protokolls. Irgendwann aber kann niemand sagen, wir haben es nicht gewusst.
Wer eine Regierung wählt, die sich gegen die Existenzgrundlagen der Umweltlehre verschließt, wird sich auch stolz den Orden »Planetenmörder«, an die Stirn nageln.

Herr Vater, erklär mir das mal mit dem Kyotodings. Warum verstehen es die einen und anderen wieder nicht, will Edith wissen.
Nun, das Unterzeichnen des Kyoto Protokolls ist wie ein Zusatzaußenspiegel für den toten Winkel an einem LKW. Diejenigen ohne einen solchen Spiegel können die Gefahr nicht erkennen und überfahren munter weiter was sich in dem toten Winkel befindet - versuche ich es zu erklären.
überfahren die auch ihren eigenen Leute, fragt sie nach einer Weile weiter.
Sicher, denn sie fahren meist auf eigenen Straßen ...
Donnerstag 25. August, 2005

Lotto.Joghurt

Edith, meine ungeborene Tochter, lacht. Sie hat Lotto entdeckt. Nicht dass sie spielen respektive tippen dürfte, nein. Es war ihr aber eine Freude, wie sie mir breit grinsend erzählt, den Menschen beim Ausfüllen der Scheine zuzusehen. Sie hätte den ganzen Morgen damit verbracht, einfach nur dazustehen - sieht sie ja keiner außer mir - und zu beobachten. Weißt du, manche überlegen lange bevor sie kreuzen, andere zählen mit Fingern, lässt sie mich begeistert wissen. Die Meisten aber kommen mit alten Zettelchen und antworten auf die Frage der Verkäuferin, noch mal spielen, mit, ja Samstag. Einer gab gleich fünf Zettelchen ab und bekam 7 Euro 50, die er von den 34 Euro 50 fürs neue Mitspielen abziehen ließ. Ich sehe belustigt in ihre braunen Augen - meine Tochter, wenn auch nur die ungeborene, erzählt ihre Beobachtung mit einer herzlichen Begeisterung. Das hat dir also gefallen, will ich wissen? Klar, Lottospielen schient richtig Spaß zu machen und irgendwann spiele ich auch mal, nimmt sie mich ins vertrauen.
Ich könnte dir jetzt erklären dass die Chance aufs Gewinnen sehr gering ist, Edith. Schlaue Menschen haben das berechnet: Lotto lohnt sich nicht, denn laut Mathematik kann man fast nicht gewinnen, spule ich Allgemeinwissen runter. Wie meinst du das, Herr Vater, es gibt doch Gewinner die Millionen von Euro gewonnen haben?
Ja die gibt es, du unbarmherzige Tochter, die gibt es - denke ich mir. Aber wie soll ich dir das erklären. Die Regel der Mathematik verbietet der Vernunft einen Lottoschein auszufüllen. Die Regel der Praxis zeigt aber, dass eben die Mathematik nur eine theoretische Logik ist.

In einer alten Geschichte wird von Nasrettin Hoca - dem türkishen Bildnis zu Till Eulenspiegel - erzählt, wie er eines Tages am Ufer des Bosporus saß und Joghurtmaische in den Fluss rührte. Zuvor hatte er erfahren, dass man heutzutage nur noch auf zwei Arten leicht Geld verdienen könne: Glückspiel und Joghurt. Während mit dem Einen mehr aber ungewiss zu verdienen sei, könnte man leichter Joghurt in einer Schüssel Milch anrühren, worauf man einen gewissen aber eben geringen Verdienst durch dessen Verkauf erlange.
Als man ihn fragte, was er da mache, antwortete er: Ich rühre Joghurtmaische in den Fluss, seht ihr das nicht? Aber Hoca, sagte einer, Joghurtmaische rührt man doch in eine Schüssel Milch und nicht in den Fluss - der Fluss wird doch nie zu Joghurt werden! überleg doch mal, antwortete Nasrettin Hoca schlau, und wenn es doch klappt?

Jedenfalls werde ich Samstag Lotto spielen.
Wie sehe das aus, wenn ich am Brenzufer Joghurtmaische rühre?
Donnerstag 28. Juli, 2005

Spunk

Inger Nilsson aka Pippi LangstrumpfIch muss zugeben die letzten Monate und verschärft die letzten Tage, darüber nachgedacht zu haben, die Farm hier zu schließen. Ohne großes Ankündigen etc. Das dauernde Gezeter, die halben Rechtfertigungen und ein paar Mitmenschen, deren organisches Dasein genau so eintönig wie ihr psychisches ist und als Resultat dessen, schriftverliebt über alle möglichen Kanäle Einlass in mein Leben suchten ohne Entree zahlen zu wollen, langweilten mich. Es ist nicht so, dass ich mich über das Fieber definiere. Wer mich persönlich kennt, weiß dass die Farm eher Nebensache ist. Aus anderen Ecken muss ich mir sporadisch anhören, wie blöd, hochnasig und übertrieben das Fiebern (deutsch für »das Bloggen«) ist. Jeder hat so seine Argumente. Für, wider, extremistisch.
Der Mensch muss sich und sein Handeln hinterfragen. Nicht die Kritik - für und wider - von außen definiert das Dasein, sondern einzig das eigene ständige Hinterfragen. Wer zu solchem nicht fähig ist, lebt entweder betrogen eigenglücklich im Stillstand, oder, geht an der Gehässigkeit seiner Mitmenschen unter. Was ich überhaupt nicht leiden kann, sind fingierte Krisensitzungen.

Ich finde immer noch, dass Claudia Schiffer große ähnlichkeit mit Pippi Langstrumpf hat.
Edith sitzt mir gegenüber und schüttelt den Kopf.
Montag 25. Juli, 2005

Edith

Ehrlichkeit ist ein wichtiger Faktor der Erziehung, auch in der ungeborener Kinder. Danke ihr Politiker, Geschichtstreiber, Terroristen. Ihr macht Eure Aktionen ohne an uns Väter zu denken, die dann ihren Kleinen nachhaltig Eurer Treiben zu erklären haben. Kinder fragen; Löcher, in Bauch, Herz und Hirn. Ganz besonders Edith, meine Ungeborene. In allen Ecken meines Lebens taucht sie plötzlich auf, mit ihren blondem Haar und braunen Augen und will wissen. Neugierig, unersättlich, fragt sie. Und meine Ehrlichkeit stockt. Ich weiß es nicht, ist keine Antwort für sie. Stures Ding. Von wem sie das nur hat.
Terroristen wüten in London, Scharm el Scheich. Menschen sterben und das Kind, das ungeborene, fragt mich was Terroristen sind und wollen. Ich hab' ihr verboten Nachrichten zu sehen. Die Fragen bleiben trotzdem. Ich hab's auch schon mit, ja weißt du mein Kind, das sind böse Menschen, versucht. Kein Erfolg. Böse Menschen gäbe es überall - zum Beispiel der Typ von nebenan, der ehemalige Nachbar oder die Hundertschaft die in zwei Wochen durch die Stadt laufen wollen. Alles böse Menschen aber keine Terroristen. Ob Terroristen Islamisten (auf deutsch, Islamiten) wären, fragt sie mich. Auch, antworte ich. Alle, fragt sie? Wahrscheinlich, nicht alle aber wahrscheinlich alle, stelle ich meine Ehrlichkeit auf die Probe. Sag' mal, fordert sie, spinnst du? ... Ja bestimmt, verweigere ich das Gespräch. Ha ha, gut machst du das, Herr Vater - so lerne ich wie ihr Erwachsenen hirnlich euren Alltag meistert.
Na gut. Versuchen wir es anders. Also Terroristen sind gegen eine bestehende Ordnung, versuche ich es erneut. Und dafür bringen sie unschuldige Menschen um, kommt als Antwort? Ja, damit versuchen sie die Ordnung zu erschüttern und ihren Forderungen im Zwang dieser Erschütterung Weichen zu stellen. Edith macht es schon wieder, sie kneift beiden Augen bis zu einem Strich zusammen und zeigt mit beiden Zeigerfingern auf mich: Wenn DU denkst, mich mit diesem Geschwafel über den Tisch der Zufriedenheit zu ziehen hast DU DICH GESCHNITTEN!
Sie muss das von ihrer Mutter haben, ich bin nicht so. Leider kenne ich ihre Mutter nicht und muss das Ganze eben einfach so ertragen.
Heute tauchte sie kurz im Büro auf, schmiss mir einen Zettel vor die Kaffeetasse, kniff die Augen zusammen, zeigte mit den Zeigefingern auf mich und verschwand so schnell wie sie kam. Der Zettel liegt vor mir:
Edith's Zettel




















Fragt mich nicht, wie alt sie ist. Ich weiß es nicht. Das mit den Falten ist gelogen!
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