am Dienstag 23. Dezember 2003 um 16:05 schrieb Ebola:

Geschlossene Augen sehen nicht

Gestern bekam ich zu hören, "die Opfer seinen ja auch keine Unschuldsengel gewesen" und dafür bekannt, in der Fußgängerzone Passanten anzupöbeln. Ferner sei die Tat nicht auf einem rechtsradikalen Hintergrund zurück zu führen, sondern die Jugendlichen hätten den Täter provoziert. Fehlt nur noch, dass die Tat als Notwehr erklärt wird.
Es gibt keine Provokation, die eine solche Tat rechtfertigen könnte. Die einzige Provokation die hier als Wahrscheinlich gilt, ist die Tatsache, dass sich eine Gruppe Neonazis vor einem Club traf, der für seine Alternative Haltung bekannt ist. Der Grund für dieses Treffen ist hinlänglich bekannt.
. Vergessen wir die Tatsachen nicht. Laut Berichten war der Täter, L. S., aus und in der rechten Szene bekannt. Er wurde auf raten von Jugendpsychologen, aus Berlin in die Provinz zu seinem Onkel nach Herbrechtingen geschickt. Seine Eltern konnten zu dem Jungen nicht mehr durchdringen, er war zu sehr in die rechte Szene abgerutscht. Man dachte, dass sich hier in der Provinz das Ganze von selbst regeln würde.
Nun, wer Heidenheim und seine Umgebung kennt, kann darüber nur lachen. Zwar ist der Kern der Stadt Heidenheim alles andere als Rechts, aber die Randgebiete sind dunkler als das Braun auf Felder gestreutem Kot. Es sind keine zwei Jahre her, da standen der damalige Türsteher des K2 und ich vor dem Club und versuchten ca. 13 Neonazis in Schach zu halten (sie gaben sich selbst als solche aus und waren da um "die linken Säue zu klatschen"). Es passierte damals nicht viel, außer dass einer von diesen Jungs etwas Blut aus der Nase verlor, weil er meinte, mit seinen Springerstiefeln den Wagen des Türstehers behandeln zu müssen. Die Tatsache, dass ein griechischer Türsteher und ein Türke beide Wehrmachtsstiefel trugen, brach das Eis. Die Jungs zogen dann irgendwann ab, weil sie einsahen, dass ihr Vorhaben Linke zu klatschen hier nicht angebracht war.
Letztes Wochenende war eben diese Gruppe wieder in Heidenheim unterwegs um "Linke zu klatschen". Unter ihnen auch der seit ein paar Monaten in Heidenheim lebende L. S. Er soll seit Oktober, nach dem er einem Jugendlichen vor eben diesem Club eine Flasche über den Kopf zog, von seinem Onkel vor die Tür gesetzt worden sein, und Unterschlupf bei einem Bekannten gefunden haben. Betreutes Wohnen, nennt man das.
In der Tatnacht war J. S. bewaffnet. Nicht nur mit der Tatwaffe, sondern auch mit einer selbst gebastelten Schusswaffe, die er in dieser Nacht noch in ein Gewässer bei Dischingen warf. Somit kann von einem persönlichen Disput mit den Opfern nicht gesprochen werden. Denn wer sich so bewaffnet in der Gruppe zum "Linke klatschen" trifft, nimmt billigend in kauf, seine potentiellen Opfer entsprechend zu verletzten − sogar zu töten. Die Tatsache, dass Leonhard noch in der Tatnacht die Schusswaffe in einem See bei Dischinge zu entsorgen versuchte, zeigt eindeutig, dass er auch nach der Tat nicht alleine Unterwegs gewesen sein kann. Ich persönlich glaube auch nicht daran, dass er während der Tat alleine mit den drei Opfern war.

Was hier passiert ist, ist mehr als traurig und nicht wieder gut zu machen. Die Tat aber mit einem persönlichen Disput der vier Beteiligten runter zu spielen, ist gefährlich für die Zukunft. Denn hier schließen sich Augen davor, dass es auch unter uns Menschen gibt, die mit Faschismus Jugendliche in ihrem Bann ziehen und erziehen.
Es muss mehr Aufklärungsarbeit seitens der lokalen Behörden auf beiden Seiten geleistet werden. Dieser Region fehlen Jugendprojekte, Fachkräfte, Zeit und leider auch das nötige Geld, welche diesem Umstand Herr werden könnte. Dass es irgendwann zu einer solchen Eskalation kommen wird, ahnte hier jeder. Die letzten Monate sprachen für sich.

"Mit Heidenheim werde ich zur drittstärksten Partei Deutschlands!". Dies waren einmal die Worte eines Herrn Schönhuber.

Mein Beileid gilt den Familien und Bekannten der Opfer! drei Kommentare
s Bildle vom Klaus

In BW haben sich in letzter Zeit immer mehr rechtsradikale Gruppen gebildet und organisiert. Wenn von amtlicher Seite hiergegen nichts geschieht, schafft das nur unnötige Gegengruppen, die versuchen werden das übel selbst zu beseitigen. Ich habe einige Webseiten gefunden die aus dieser Region stammen. Auf eine Verlinkung hier verzichte ich – schau in deine Mailbox.

Frohes Fest.



s Bildle vom Ebola

Ich weiß zwar was Du meinst, aber der Ausdruck “unnötige Gegengruppen” ist etwas unglücklich gewählt.

Danke für die Links, ich werde sie in den nächsten Tagen überprüfen.

Ebensolche frohe Weihnachten, Dir.





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