am Freitag 02. Januar 2004 um 19:07 schrieb Ebola:

Gedanken zum Neujahr

Wir schickten die Voyager vor Jahren mit Informationen über uns auf die weite Reise. Keine Ahnung wo des Ding jetzt ist. Auf einer Goldplatte wurde mathematisch codiert, was der Mensch und die Menschheit sei. Wer die Informationen findet, soll wissen dass es die Erde gibt, auf der sich auch intelligentes Leben formte. Der Mensch, die Menschheit. Der Mensch selbst aber sucht die Menschheit vergebens. Es gibt keine Menschheit sondern Rassen, Völker, Staaten. Der Ausdruck Mensch führt den Betrachter in die Irre. Der Mensch als solches sieht sich nicht als solcher. Palästinenser, Israeli, Brite, Christ, Moslem, Frau, Mann usw. − nicht zu vergessen, die Rasse und das Urvolk der Amerikaner. Jedes dieser Grüppchen hebelt die Voyagerinformation aus, indem es seine Angehörigkeit über das der anderen stellt. Als die ersten Menschen damals von Afrika aus die Erde besiedelten, wusste wahrscheinlich noch keiner, wie ihre Nachkommen selbst zu Feinden werden. Aber so ist es, wenn man sich vom unteren Ende der Nahrungskette nach oben arbeitet. Die Erde ist nicht überbevölkert, der Mensch hat nur keine anderen Feinde mehr - abgesehen vom Ami, der immer einen Feind haben wird weil er sich einen bäckt (darum ist Amerika auch nicht überbevölkert, sondern frei, zivilisiert und der gesamten Galaxis voraus und führend.)
Jeder weiß heute, wie die Menschheit bei einer Bedrohung von außen zusammen halten würde. Wir haben das im Kino gelernt. Das heißt, nur wenn uns irgendwelche Monster von einem fernen Planeten angreifen − die Monster auf diesem Planeten haben wir vernichtet − unterscheiden wir nicht mehr, welchen Grüppchen wir angeblich angehören, sondern wären plötzlich alle was wir sind - Menschen.
Aber warum sollte es da draußen Monster geben, die auch noch so intelligent sind den Raum zu krümmen? Mit glitschigen drei Fingerhänden, Mordgedanken und Zähne bis zum Bauch, würde keine Lebensform auf den Gedanken kommen den Raum zu krümmen. Bestes Beispiel dafür ist der Krake. Wahrscheinlich genau so intelligent wie der Mensch, fristet es sein Dasein in den Weltmeeren.
Ich hoffe für jedes Leben da draußen: Wenn der Mensch irgendwann den Weg findet, den Raum zu krümmen, dass er das Leben als solches zu schätzen gelernt hat. Ansonsten wären wir die Monster.

Wahrscheinlich sind wir das auch - für den Rest der intelligenten Lebensformen irgendwo im nächsten Nebel. Wahrscheinlich empfangen sie unsere TV-Sendungen. Beschossen von irgendwelchen dummen Weibchen die sich zu irgendeiner Nummer räkeln, Heiner Bremer, bibushem CNN und HSE24 würde ich auch keinen Kontakt mit den Menschen haben wollen.

Fakt ist, dass heute kein Mensch an Hunger sterben müsste. Die Menschheit hätte die nötigen Mittel, dieses übel den Welthunger zu beseitigen. Aber die Menschheit will nicht - weil es keine Menschheit gibt. Stattdessen verteilt der Mensch Wegminen, bildet Scharfschützen aus und testet Atombomben.
Alles im Sinne der Menschheit - die es nicht gibt. fünf Kommentare
s Bildle vom limone

ich musste der versuchung nachgeben, dazu eine passage aus einem sf-roman (eigenbau aus 1988) zu zitieren, der über das schubladen- bzw. internetstadium nie hinausging, aber wenigstens in der hinsicht verwandte gedanken hat (zum verständnis, es ist eine unterhaltung zweier menschenähnlicher außerirdischer, die die erde als versuchsanordnung beobachten):

QUOTE ON

Durch die Entwicklung des Kommunikationswesens erfuhren sie immer mehr voneinander und begannen sich auch anzugleichen. So besehen ist es höchste Zeit, daß sie endlich ihre Welt als ein großes Land zu betrachten beginnen. Aber sie können immer nur etwas als Einheit, als Gemeinschaft, als Ganzes verstehen, wenn sie es gleichzeitig gegen etwas anderes abgrenzen können. Aber ihren Planeten, die Erde, die können sie gegen nichts abgrenzen. Sie wissen nicht, daß da draußen noch etwas ist. Also gibt es auch nichts, wogegen sie sich behaupten könnten. Und deshalb schaffen sie es nicht, sich als planetenumspannende Gemeinschaft zu begreifen.”

“Ganz habe ich das noch nicht verstanden”, entschuldigte Irena sich. “Wie wär’s mit einem Beispiel?”

“Schauen Sie”, sagte Haase und legte zwei Steine nebeneinander. Irena merkte zum ersten Mal, daß er einen Sprachfehler hatte, ein verschludertes, oberflächliches ‘s’, als ob ihm der Laut Mühe bereitete.

“Das sind zwei Menschen”, sagte er mit Blick auf die Steinchen. “Jeder von ihnen versteht sich als Individuum, weil er sich durch ganz bestimmte Merkmale von seinem Gegenüber unterscheidet. Gut kann es nicht ohne Böse geben, Licht wird erst durch die gleichzeitige Existenz von Dunkel verständlich. Unsere Welt ist eine Welt der Gegensätze, ein Wechselspiel von Antipoden. Was der Mensch ist, sieht er erst im Spiegel der Begegnung. Ohne den Dialog ist er konturlos, nicht faßbar. So verschieden die Menschen sind, denen er begegnet, so unterschiedlich die Situationen, in die er gerät, so unterschiedlich sind die Facetten seines Charakters, die er erst erkennen kann, wenn er gezwungen ist, auf etwas zu reagieren, sich mitzuteilen. Wenn er seine Identität finden will, darf er sich nicht zurückziehen, sondern muß die anderen beobachten, Anteil nehmen, sehen was sie sind, was er nicht ist, um in der Umkehrung erst zu begreifen, was er ist.”

Er nahm eine weitere Handvoll Steine und schichtete sorgfältig zwei Häufchen auf.

“Nehmen Sie aber nun auf beiden Seiten diese Häufchen: zwei Stämme, jeder mit seiner eigenen, spezifischen Kultur. Jeder begreift sich als dadurch zu einer Gruppe zugehörig, als er sich durch ein bestimmtes, gemeinsames Merkmal von der anderen Gruppe unterscheidet. Die einen sind schwarz, die anderen weiß. Eine Gruppe glaubt an einen Gott, die andere huldigt dem Polytheismus. Gäbe es nur eine Richtung, gäbe es keine Zweifel, aber auch keine Identität. Es gäbe ja nichts, wogegen man sich abgrenzen könnte – wohingegen innerhalb der eigenen Gruppe größtmögliche Homogenität angestrebt wird. Außenseiter sind nicht erwünscht. Der Gedanke ‘Wir und die anderen’ ist zu fest im menschlichen Bewußtsein verankert. Diese Dichotomie wird sich nie daraus vertreiben lassen. Dualistisches Denken ist eine der Grundfesten, auf die sich Überzeugungen gründen lassen. So wie es nun aber mit Stämmen, noch relativ überschaubaren Einheiten, ist, verhält es sich auch mit Städten oder Ländern. Die Kulturen sind verschieden, und indem sie sich gegeneinander abgrenzen, begreifen sie auch die eigene Identität. A ist von B verschieden, und nur durch diese Verschiedenheit lassen sie sich als A und B bestimmen, von denen jedes seine festumrissene Gestalt hat. Die Bewohner dieser Welt haben sich sogar noch länderübergreifend zu Interessengemeinschaften zusammengeschlossen, zu Machtblöcken und Wirtschaftsgemeinschaften, haben ihre Wett in ein Koordinatensystem mit den Achsen Ideologie und Wirtschaft aufgespalten, in Ost und West, in Industrie- und Entwicklungsländer, erste, zweite und dritte Welt. Sie brauchen diese Aufspaltung, um sagen zu können: Das sind wir, dazu gehören wir, und das sind die anderen, zu denen gehören wir nicht, das ist Heimat, das ist Fremde. Wenn man von ihnen verlangen wurde, die gesamte Erdbevölkerung als eine Gruppe zu begreifen, am sie überfordert. Die meisten von ihnen eignen sich noch nicht zum Kosmopoliten. Ohne ein gleichwertiges Gegenüber gelingt ihnen das nicht. Wäre der Mars bewohnt, gäbe es die berechtigten “grünen Männchen” wirklich, könnten sie sich tatsächlich als gemeinsame Vertreter der Spezies Mensch erkennen, einzuteilen unter der Rubrik Erdenbürger, streng abzugrenzen gegen die Rubrik Marsianer. Diese Menschen können ohne Kontraste nicht leben. Vermutlich wurden sie aufwachen, wenn wir ihnen klarmachen könnten, daß sie tatsächlich nicht allein im Universum sind – was sie ja längst schon vermuten. Aber das wäre taktisch unklug. Zuerst wurden sie es für einen raffinierten Trick ihrer Gegner halten und versuchen, uns abzuschießen und von uns das Geständnis zu erzwingen, daß wir Agenten der Gegenseite seien – welche auch immer damit gemeint wäre. Eine Invasion wäre vermutlich das einzige, was sie noch verstehen würden. Aber die Gefahr, daß sie dabei in Panik ihren eigenen Planeten in die Luft jagen, ist einfach noch zu groß. Es wäre ein unverantwortliches Risiko.

Und bis wir es wagen können, ihnen reinen Wein einzuschenken, werden sie weiterhin eine kleine Insel sein, mit rivalisierenden Grüppchen, die alles tun, nur um zu beweisen, daß sie anders sind als ihre Nachbarn und dabei nicht begreifen können, wie klein, wie unbedeutend sie sind, wenn man sie nach unseren Maßstäben beurteilt. Sie haben ein großes Bedürfnis nach überschaubarer Identität. Sie brauchen Gruppen, denen sie sich zugehörig fühlen dürfen, Schubladen, in die sie einordnen können, was immer ihnen begegnet. Und was sie nicht kennen, beäugen sie immer noch mit dem gleichen Mißtrauen wie ihre Urahnen auf den Bäumen.

QUOTE OFF


um 03-01-’04 03:54 von limone| (URL) | reagiere hierzu

s Bildle vom Ebola

Interessante Geschichte. Vielleicht sollte man das Gerücht verbreiten, die nun schon zum dritten Mal verlorenen Marssonden, seien eben aus den o. g. Gründen verschwunden. War die Technik doch ausgereift und alles berechnet gewesen … who knows?

Egal, danke für den Text. Have fun ;)



s Bildle vom limone

who knows… indeed? wir wissen doch eigentlich so verdammt wenig… ;-)

ich wünsch dir auch ein gutes 2004 :-)


um 03-01-’04 16:24 von limone| (URL) | reagiere hierzu



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