am Donnerstag 26. Juli 2007 um 22:32 schrieb Ebola:

Schicksal

Meine Schwester hatte ihr irgendwann meine Nummer gegeben, sie könne sich bei PC-Problemen an mich wenden. Heute war ich bei ihr vor Ort.
Ihr Türkisch ist sehr rein, meines hinkt an allen Ecken. Dennoch konnten wir uns in den zweieinhalb Stunden, während ich ihren PC auf Vordermann brachte, sehr gut unterhalten.
Sie erzählte mir ihre Geschichte, die sich wahrscheinlich ähnlich auch heute noch oft wiederholt. Mit 17 wurde sie von ihren Eltern nach Deutschland mit einem Verwandten verheiratet. Er war nicht viel älter, gerade Anfang 20. Schon nach 3 Wochen bat sie ihre Elten telefonisch sie zurück zu holen, da ihr Mann sie schlug. Die Mutter war dagegen, sprach von Gesicht verlieren in Gesell- und Verwandtschaft. Nach einem Jahr kam ihr Sohn auf die Welt und ihr Mann schlug sie noch immer. Sie hatte keine Freunde, nur die Familie ihres Mannes als Bekannte hier in Deutschland. Irgendwann brachte ihr Mann eine 13-Jährige Deutsche nach Hause und stellte sie ihr als seine Freundin vor. Die würde jetzt bei ihnen wohnen, sagte er und als sie sich dagegen wehrte, wurde sie geschlagen. Bald war die 13-Jährige und sie (wieder) schwanger ... und endlich schaffte sie es zu fliehen.
Heute lebt sie mit ihren beiden Kindern in einer schönen kleinen Wohnung, arbeitet täglich 6 Stunden, besucht einen Deutschkurs, den sie selbst finanziert, und ist ihren Kindern eine stolze Mutter. Mit ihren knapp 32 Jahren kann sie jeder 26jährigen das Wasser reichen. Man muss als Mann recht durchatmen um ihr nicht gleich hörig zu werden.
Sie erzählte mir wie sie letztes Jahr ihre Mutter nach neun Jahren das erste Mal besucht hätte. Dass nur, weil die Mutter krank sei - verzeihen könne sie ihr nicht. Verständlich. Von ihrem Vater wusste nichts Gutes zu berichten. Mit 18 noch dachte ich, dass die Türken die ehrlichsten, saubersten und klügsten Menschen sind. Ich wuchs in einer Welt auf, in der mich meine Eltern solches lehrten. Türkische Bekannte hatte ich bis Dato nicht - außer ein zwei, die ich ab und zu auf Besuchen traf. Als ich dann anfing das zu tun, was Teenager machen - abends in die Stadt gehen - war ich mehr als geschockt. Die Türken, von denen mein Vater sprach gab es nicht. Entweder lebte er in einer Traumwelt oder er hatte mich all die Jahre mit einer Lüge erzogen. Ich will es gar nicht mehr wissen, denn mein Leben schlug genug Hacken um meine eigene Erfahrung zu sammeln - weshalb ich meine ganze Jugend über als Verräter bei den Türken betitelt wurde. Wenn ich mich geschlagen habe, dann mit Türken oder sogenannten Skins. Oft genug - auch deshalb bin ich heute (selbst-wehrender) Pazifist.
Alle Bekannte von damals haben geheiratet. Fast alle bis auf einen, türkisch. Meist holten die Eltern ihren Söhnen eine Cici-Kiz (sauberes Mädchen) und ihren Töchtern einen Efendi-Oglan (braven Jungen ich nannte die Dinger immer Aferim-Salak, was soviel wie Bravo-Idiot heißt) aus der Türkei. Ich kann an drei Fingern abzählen, welche Ehen von damals noch bestand haben und nicht im Desaster endeten. Ihre Eltern tragen heute noch ihre un-verlorenen Gesichter durch die Gegend, während ihre Kinder in Dummheit und Schmerz Jahre vergeudeten. Viele sind nicht anders geworden als sie es gelernt haben und versinken in einer Subkultur, aus der es so schnell kein Erwachen gibt. drei Kommentare
s Bildle vom Fraggle

Meine Hochachtung an die Dame,sie hat allen Grund stolz zu sein.Aus solch einer Situation auszubrechen braucht verdammt viel Mut und einen starken Willen.
Ich wünsche ihr für die Zukunft alles Glück und einen Mann der weis was er an so einer Frau hat.
Leider gibt es da draussen in der Welt tausende dieser Schicksale,in allen kulturen und Ländern.


um 27-07-’07 05:33 von Fraggle| (E-Mail ) | reagiere hierzu

das ist eine Reaktion auf s Kommentar
s Bildle vom Ebola Sie wird ihren Weg gehen, Fraggle. Ich hoffe, sie hat oder findet gute Freunde – um einen Mann braucht sie sich nicht sorgen.

Eigentlich leben wir in einer Zeit, in der solche «Schicksale» eine Seltenheit sein sollten.





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