am Montag 16. November 2009 um 21:33 schrieb Ebola HS:

gerotweint

Als ich die Haustür aufschloss, überfiel mich ein sonderbares Gefühl. Das mochte von dem Hemd kommen, das mich wortlos auf dem Treppenabsatz begrüßte. Ich wollte gar nicht anfangen etwas Schlimmes zu ahnen, denn ich ahnte, dass es viel schlimmer werden würde. Und ich hatte recht.
Im Flur lag noch ein Hemd, weiß. Im Wohnzimmer zwei, weiß. In der Küche lag ein weißes Hemd auf dem Küchentisch und eins im Waschbecken. Im Bad lag ein Hemd, ebenfalls weiß, in der Badewanne ein anderes, ebenfalls weiß, lag auf der Waschmaschine. Ins Schlafzimmer wollte ich nicht und bemerkte mehr zufällig wie im Gäste- und Ankleidezimmer alle meine weißen Hemden auf dem Boden lagen.
Abgesehen davon dass niemand außer mir meine Wohnung betreten kann, konnte das nur meine ungeborene Tochter gewesen sein. Edith muss wohl irgendetwas vorgehabt haben, dass dann völlig aus dem Ruder lief, dachte ich. Natürlich war sie nicht da, dachte ich.
  Sei jetzt bloß nicht sauer und … du wirst dich nämlich bald darüber freuen, das hat alles seinen Sinn! - höre ich sie aus dem Schlafzimmer rufen.
  Hmmmm....! - rufe ich zurück als ich entdecke, dass auf allen Hemden rote Flecken sind. - Was sind das für rote Flecken?!!
  Das ist nur Rotwein, gar nicht schlimm...
  ROT WEIN?!? Was macht Rotwein auf meinen Hemden?!!?
  Was ist das denn für eine blöde Frage, Herr Vater! Rotwein macht gar nichts auf deinen Hemden, Rotwein macht nichts auf gar keinen Hemden, es ist nur da! - weiß Edith plötzlich sehr munter.
  Komm' sofort her und räum' das weg!, dann erzählst du mir was das Ganze soll!, aber dalli! ...
Im Wohnzimmer finde ich dann eine offene Rotweinflasche, in der Küche ein mit Rotwein halb gefülltes Glas. Der Korken steckt noch auf dem Öffner und ich bin froh, dass sie sich damit nicht verletzt hat – will es ihr aber nicht sagen. Als wir dann endlich alle Hemden im Wäschekorb verstaut haben, gebe ich ihr Zimmerarrest...
  Du hast gesagt ich soll dir das erklären! - sagt sie mehr aufgebracht als dass sie mich darauf hinweisen will.
  Ich will es nicht mehr wissen...
  Aber dann kann ich dir gar nicht sagen warum du dich darüber freuen wirst...
Ich überlege, dass es wirklich nicht von Vorteil wäre, eine Tochter ohne eine solche erklären zu dürfen ins Zimmer zu schicken – auch keine ungeborene. Schließlich muss sie sich etwas dabei gedacht haben. Alle weiße Hemden mit Rotwein zu besudeln, ist nicht gerade ein Hobby.
  Dann ... .... versuch's. Ich hör' dir zu! - sage ich nach meinen Gedanken.
  Das geht aber nicht, dann ist es keine Überraschung!
  ... Edith!, mehr als das was im Wäschekorb «gerotweint» liegt, kann mich heute nicht überraschen! Wenn du mir jetzt nicht sofort erklärst was das Ganze sollte, dann ...
  Aber ... wart' bis Donnerstag! - Donnerstag sagt sie lauter als den Rest.
  So funktioniert das nicht!, du erklärst es mir jetzt oder nie...

Sie habe gestern im TV eine Werbung gesehen. Da hätte ein Mann, den sie nicht weiter kenne, einer blonden Frau Rotwein in ein Glas eingeschenkt. Dann sei ein Tropen auf ihr Hemd gekleckert. Die Frau habe gelächelt und den Fleck einfach abgezogen und auf dem Boden geschmissen. Die Erklärstimme hätte dann gesagt, dass das mit einem neuen Waschmittel bei ganz niedrigen Temperaturen ganz easy ginge. Und da ich am Donnerstag Geburtstag hätte, dachte Edith, wäre es ganz schön wenn sie mir eine Flasche von dem «Rotweinvernichtungswaschmittel» schenken würde – weil mein Hemd, dass ich am Samstag anhatte, am Sonntagmittag mit einem Rotweinfleck in der Wäsche lag und ich laut gesagt hätte, was ich wirklich auch habe, uhhhh, wenn das mal raus geht, das Hemd sei ja so schön.
Die anderen Hemden hätte sie dann mit Rotwein bekleckert, damit man eine ganze Maschine voll bekommen könnte. Denn ich hätte, was ich wirklich habe, es nicht gern, wenn man eine Maschine nur halbvoll zum waschen füllt.
Natürlich ist jetzt die Überraschung zu meinem Geburtstag keine mehr. Zwar konnte ich ihr glaubhaft versprechen, dass ich das bis Donnerstag bestimmt vergessen hätte... aber ...

Ich fühle mich schlecht. elf Kommentare
s Bildle vom Jo

lol DAs Mädchen ist auf Trab.



s Bildle vom Ebola

Selbstredend. Sie ist meine Tochter – zwar ungeboren, aber das ist in ihrem Fall völlig nebensächlich.




s Bildle vom M.G.

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke, 8.1.1898, Berlin-Wilmersdorf

Herzlichen Glückwunsch. Alles Gute. Alles Liebe.
M.G.



s Bildle vom Ebola

Wunderschön! Und wie ich es gerne sage, man lebt nur ein Mal.

Danke!



s Bildle vom duftbäumchen

Was viel wichtiger ist: Sind die Flecken denn nun auch alle wieder weg? Hat das Zaubermittel wirklich funktioniert?


um 26-11-’09 10:29 von duftbäumchen| (URL) | reagiere hierzu

s Bildle vom Ebola

Wunderbarst sogar. Ich war erstaunt, dass man bei einer 30°-Wäsche so ein perfektes Ergebnis erzielen kann. 15°C kann meine Maschine leider nicht…



s Bildle vom ;)

oh man, ich hab ihn echt vergessen, es ist mir sehr peinlich, doch nun scheint es zu spät zu sein. ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, ich gelobe in dieser hinsicht besserung, nächstes jahr denke ich sicher daran, dann gibts auch den glückwunsch.
smile, es ist schön zu sehen das nicht nur mein kleiner so seltsame ideen hat, sonder auch deine edith. verwunderlich auf was für ideen die kinder kommen, wenn auch ungeboren. aber genau dafür lieben wir sie, und ehrlich, kann man da denn lange böse sein?^^
ich hoffe das es dir gut geht, immer mal wieder denk ich an dich (schon seltsam)
bei uns geht es weiter und weiter, jedoch in eine fast zufriedenstellende richtung.
fühl dich lieb gedrückt von mir, ist mir einfach nach. werde immer mal wieder rein schauen;)
grüßle vom berg ins tal



s Bildle vom Ebola

Kindern gehört die Welt. Wir dürfen sie ihnen nicht «vergraulen».

Weiter und weiter, ist besser als auf der Stelle treten. Ich hoffe, dir und euch wird bald eine Zufriedenheit zuteil – die ihr verdient. Mit allem was dazu gehört.

Herzliche Grüße hoch auf den Berg – ich freue mich immer wieder von dir zu lesen!



s Bildle vom Hihi

Die ist ja echt superklasse! Schreibst du das selbst?





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Tja, so ist da nun mal. Manchmal kommt man nur weiter, wenn man Fragen beantwortet.

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