am Montag 27. August 2007 um 23:04 schrieb Ebola:

Kinder

Ich denke gerade über das Kinder krie... Kinder bekommen nach. Nein, keine Angst. Ich bin nicht schwanger. Zumindest weiß ich nichts davon - aber die Welt ist ja ein Joghurtbecher, man weiß nie in welchem Teil man gerade rührt. Oder so ähnlich.
Nein, ich denke über das Kinder kriegen respektive bekommen im sprachlichen Sinn nach. Man sagt, die oder die hat oder haben, ein Kind bekommen. Ein Kind bekommen. Ist das richtig? Bekommt man Kinder?
In anderen Kulturen sagt man das anders. Etwas anders und doch ganz anders. Im Türkischen sagt man z. B., ihr oder ihnen ist ein Kind geworden. Ein Kind geworden. Und wenn man darüber nachdenkt, ist das richtig.
Ich überlege, warum man das hier so sagt. Vielleicht Religion? Gott gibt und der Mensch bekommt - logisch. Gott gibt es aber auch im Türkischen und er gibt dort auch - zumindest glaubt man das ebenso wie hier. Wieso also bekommt man hier Kinder und dort werden sie einem geworden?
Wahrscheinlich waren oder sind die Menschen hier frommer als die dort. Denn wer etwas bekommt, wird auch etwas geben. Wem aber etwas geworden wird, muss damit leben.
Schlimm, wirklich. Sprache kann einem manchmal unverzeihlich den Löffel aus dem Joghurtbecher ziehen.
Im Grunde aber nicht ganz so schlimm - denn man hat ja noch den Zeigefinger, den man tief in den Joghurt tauchen kann.

Wer's versteht. dreizehn Kommentare
s Bildle vom Fraggle

Ein Kind bekommen=ein Geschenk der Natur erhalten,oder so.


um 28-08-’07 06:28 von Fraggle| (E-Mail ) | reagiere hierzu

s Bildle vom Anja

Wobei das nicht unbedingt ein Indiz sein muss. Bis heute irritieren mich die Aussprüche meiner Mutter, wenn sie uns erzählt, dass sie uns ja auch “großgezogen” habe…



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s Bildle vom Ebola Diesen Gedanken verarbeite ich im Text auch kurz. Aber mal so unter uns; manche Geschenke sind wirklich unnötig: Wollsocken im Sommer, Netz-T-Shirt im Winter oder ein Tischgrill. Letzteres ist besonders lustig, wenn man Vegetarier ist.

@Anja: Ein Lehrer aus meiner Grundschule muss deine Mutter gekannt haben. Er zog mich immer am Ohr bis ich groß wurde.



s Bildle vom Christina

Ein Kind geworden… klingt schon irgendwie richtiger. Muss ich mir merken.

Ich habe einen Freund, der würde auch nie meine Frau, mein Mann, meine Kinder sagen, weil er findet, dass man Menschen nicht besitzen kann. Darüber habe ich vorher nie nachgedacht, ertappe mich aber dabei, das Wort “mein” nun auch viel bewusster einzusetzen.

Liebe Grüsse.


um 28-08-’07 09:49 von Christina| | reagiere hierzu

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s Bildle vom Ebola Dein Freund hat recht, Menschen kann man nicht besitzen. Liebe Grüsse.

s Bildle vom Christina

Dass er da recht hat, stand und steht völlig ausser Zweifel, aber ich habe “mein” in dem Zusammenhang nie als Besitz sondern eher als ein auf Gegenseitigkeit beruhendes Zusammengehörigkeitsgefühl empfunden und bin erst durch diese Diskussion wesentlich sensibler in der Benutzung des Wortes geworden. Halt um nicht so zu wirken, als wollte ich besitzen.


um 28-08-’07 11:38 von Christina| | reagiere hierzu

s Bildle vom Anja

Puh…beim häufigen Gebrauch besitzanzeigender Pronomen in Bezug auf Menschen (resp. mich) kann ich schon auch mal ausfallend werden.. ;-)

Das mit den Ohren, Ebi, das hätte mir gerade noch gefehlt. So für’s Körpergefühl.



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s Bildle vom Ebola Nun. Meine Ohren waren immer schon interessant für Andere. Ich weiß nicht ob ich das hier schon erzählt habe: Als Kind konnte ich fast kein Türkisch und war fasziniert von Spock. Ich wollte von meiner Mutter wissen, warum er solche Ohren hat und dass ich auch gerne solche Ohren hätte, weil ich so sein wollte wie Spock. Auf Türkisch bekam ich erklärt, dass das mit Paste gemacht wird. Das Wort für Paste ist Macun (gesprochen Maatschun). Das einzige Macun was ich damals kannte, war Zahnpasta. Also habe ich mir jeden Abend und Morgen meine Ohren mit Zahnpasta gebürstet, damit ich solche Teile bekomme wie Spock. Irgendwann bemerkte meine Mutter dass unser Zahnpastaverbrauch unerklärlich gestiegen ist. Natürlich habe ich eine gepfeffert bekommen, weil man sich die Ohren nicht mit Zahnpasta bürstet. Der Junge wieder, immer mit seinen komischen Ideen. Und natürlich hat mir niemand geglaubt, als ich zu erklären versuchte, sie hätte mir dazu geraten.

s Bildle vom asa

Och, solche Geschichten sind soo süß (bei aller bitterer Erfahrung, die das mit sich gebracht haben muss)! Das hat jetzt was von Frank McCourt ;-)



s Bildle vom Anja

(huch, jetzt ist mir das asa umgerutscht – ich weiß auch nicht mehr, wer ich bin ;-))



s Bildle vom rafael

Sehr spannend Auseinandersetzung muit linguistischen Problemen!


um 28-08-’07 16:17 von rafael| (E-Mail ) (URL) | reagiere hierzu

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s Bildle vom Ebola Ein Versuch, kulturell bedingte Agnosie zu bewätigen.



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